1867-1948
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Alfred Kerr
Theaterkritiker, Publizist
- 1867
- 25. Dezember: Alfred Kerr (eigtl. Kempner) wird als
Sohn des jüdischen Weinhändlers und Fabrikbesitzers
Emanuel Kempner und dessen jüdischer Ehefrau Helene (geb.
Calé) in Breslau (heute: Wroclaw, Polen) geboren.
- ab 1890
- Kempner veröffentlicht bereits während
seines Studiums der Geschichte, Philosophie und Germanistik vor
allem Erzählungen aus dem Berliner Alltagsleben in mehreren
Tageszeitungen und Zeitschriften.
- 1892-1900
- Er schreibt überwiegend Theaterkritiken für
die "Vossische Zeitung", die "Neue Rundschau"
und die "Breslauer Zeitung".
- ab 1887
- Er nennt sich Alfred Kerr.
- 1894
- Abschluß seines Studiums mit der Promotion in
Halle.
- 1898
- Publikation seiner Dissertation über die Jugenddichtung
Clemens Brentanos (1778-1842) unter dem Titel "Godwi. Ein
Kapitel deutscher Romantik".
- 1900-1919
- Kerr veröffentlicht Theaterkritiken in
der Zeitschrift "Tag".
- 1909
- 27. Oktober: Offizielle Namensänderung in Alfred Kerr.
- 1910-1912
- Gemeinsam mit dem Verleger Paul Cassirer
gibt er die Kunstzeitschrift "PAN" heraus. Als
Mitarbeiter gewinnt er auch den Dichter Klabund.
- 1912-1915
- Kerr ist alleiniger Herausgeber des Magazins "PAN".
- 1917
- Sein erster Gedichtband "Die Harfe" erscheint.
- Publikation der ersten Reihe seiner gesammelten Kritiken in fünf
Bänden "Die Welt im Drama". Kerr schätzt Henrik
Ibsen (1828-1906), George Bernard Shaw (1856-1950) und verehrt
- zumindest bis 1933 - Gerhart Hauptmann. Dagegen lehnt
er zunächst das Theater Max Reinhardts ab.
- Kerr gilt als einer der bekanntesten Kritiker Deutschlands und
liefert sich polemisierende Wortgefechte mit seinen Kollegen Maximilian
Harden und Herbert Ihering (1888-1977). Er wird auch durch
seinen unverwechselbaren, aggressiven und pointierten Stil bekannt.
Kerr propagiert die Theaterkritik als eigenständige literarische
Gattung mit eigenen Stilmitteln und Strukturen.
- 1918
- Heirat mit Ingeborg Thormählen, der Tocher eines
Pfarrers. Sie stirbt noch im selben Jahr.
- 1919-1933
- Tätigkeit für das "Berliner Tageblatt"
und für die "Frankfurter Zeitung", zwei der bedeutendsten
Tageszeitungen der Weimarer Republik. Kerr profiliert sich
weiterhin durch seine scharfen, bisweilen zynischen und stilistisch
eigenwilligen Kritiken. Er greift die Stücke Bertolt Brechts
auf schärfste an und würdigt das politische Engagement
des Bühnenregisseurs Erwin Piscator.
- 1920
- Heirat mit Julia Weismann, der Tochter eines Staatsekretärs
im preußischen Staatsministerium. Aus der Ehe gehen zwei
Kinder hervor.
- bis 1933
- In seinen Glossen für
den Berliner Rundfunk fordert Kerr zur Bekämpfung der Nationalsozialistischen
Deutschen Arbeitpartei (NSDAP) auf.
- 1923-1925
- Kerr publiziert einige seiner Reiseerlebnisse in
Büchern wie "New York und London" oder "O
Spanien!".
- 1926
- Veröffentlichung seines Gedichtbands "Caprichos".
- 1928
- In dem "Buch der Freundschaft" schildert Kerr
seine Kindheits- und Jugenderlebnisse.
- 1933
- Februar: Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum
Reichskanzler geht Kerr mit seiner Familie ins Exil.
- Er emigriert über Prag, Wien, Lugano und Zürich nach
Paris.
- Mai: Bei der Bücherverbrennung in Berlin wird Kerr
namentlich genannt.
- Mitarbeit bei mehreren Emigrantenzeitschriften.
- ab 1935
- Kerr geht ins Exil nach London.
- 1938
- Mitbegründer des Freien Deutschen Kulturbunds in London.
- 1939-1947
- Vorsitzender des Deutschen P.E.N. Clubs in London.
- ab 1945
- Mitarbeit bei den deutschen Tageszeitungen
"Die Welt" und "Die neue Zeitung".
- 1947
- 17. Mai: Er nimmt die britische Staatsbürgerschaft an.
- 1948
- 12. Oktober: Alfred Kerr stirbt in Hamburg.
- 1971
- Eine Auswahl seiner Arbeiten wird unter dem Titel "Theaterkritiken"
veröffentlicht.
- 1973
- Kerrs Tochter Judith schildert in ihrer Erzählung
"Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" das entbehrungsreiche
Exil ihrer Familie nach 1933.
- 1977
- Das "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel"
stiftet den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik.
- 1979
- Postume Publikation des Tagebuchs von Kerr: "Ich
kam nach England".
- 1982
- Veröffentlichung seiner Theaterkritiken aus drei
Jahrzehnten unter dem Titel "Mit Schleuder und Harfe".
- 1997
- Postume Veröffentlichung von "Wo liegt Berlin?
Briefe aus der Reichshauptstadt".
(se)
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