Paul Cassirer 1871-1926

Kunsthändler, Verleger

  • 1871

    21. Februar: Paul Cassirer wird als Sohn des Unternehmers Louis Cassirer und dessen Frau Emilie (geb. Schiffer) in Görlitz geboren.

  • 1898

    Nach dem Studium der Kunstgeschichte in München und der Mitarbeit an der Satirezeitschrift "Simplicissimus" siedelt er nach Berlin über. Dort gründet er mit seinem Vetter Bruno Cassirer (1872-1941) eine Verlags- und Kunstbuchhandlung.

  • ab 1901

    Nach dem Zerwürfnis mit seinem Vetter führt Cassirer den Kunsthandlungszweig des Verlags allein weiter. In enger Verbindung mit der "Berliner Secession" wendet er sich gegen die offiziellen Ausstellungen sowie die Hofkunst Anton von Werners und verhilft der "Secession" zu nationalem Ansehen. Er fördert besonders junge Künstler wie Lovis Corinth. Durch sein besonderes Engagement für die Malerei des französischen Impressionismus zieht sich Cassirer den persönlichen Unwillen Kaiser Wilhelms II. zu.

  • 1908

    Er gründet den Literaturverlag "Paul Cassirer" und verlegt neben Kunstliteratur und Belletristik expressionistische Autoren wie Ernst Barlach, wobei er sich von der herrschenden wilhelminischen Kunstauffassung distanziert.

  • 1909

    Cassirer erwirbt eine Druckanstalt, die Pan-Presse, und verbreitet Buchillustrationen impressionistischer und expressionistischer Künstler.

  • 1910

    Er gründet die kunstkritische Halbmonatszeitschrift "PAN", die später von Alfred Kerr herausgegeben wird.
    Cassirer schafft mit der "Gesellschaft Pan" ein Forum zur Aufführung unbekannter und verbotener Bühnenwerke, vor allem Frank Wedekinds.
    Cassirer heiratet in zweiter Ehe die Berliner Schauspielerin Tilla Durieux.

  • 1914

    Nach Beginn des Ersten Weltkriegs meldet sich Cassirer als Kriegsfreiwilliger.

  • 1916

    Dienstuntauglichkeitserklärung.
    Zurückgekehrt nach Berlin, erklärt Cassirer seine pazifistische Gesinnung, was ihn kurzzeitig in Haft bringt. Seine Verlagsproduktion wird eingestellt, viele Bücher werden im Einverständnis mit den Autoren an andere Verlage abgegeben. Er zieht nach Bern und verlegt französische und deutsche pazifistische Autoren.

  • 1918

    Rückkehr nach Berlin. Cassirer tritt in die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) ein und nimmt seine alte Verlagsproduktion wieder auf. Er verlegt nun aber vor allem sozialistische Autoren wie Karl Kautsky sowie die 1913 gegründete Zeitschrift "Die weißen Blätter", die zu Kriegszeiten in der Schweiz herausgegeben wurde.

  • 1919

    Freitod seines achtzehnjährigen Sohns aus erster Ehe im Berliner Tiergarten.

  • 1926

    Nach Jahren einer tiefen Ehekrise verübt Cassirer vor Abschluß des Scheidungsvertrags einen Selbstmordversuch.
    7. Januar: Paul Cassirer stirbt an den Folgen des Selbstmordversuchs in Berlin.

  • 1933

    Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird der Verlag "Paul Cassirer" aufgelöst.

(mr/ji)
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