1889-1940
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Willi Münzenberg
Politiker
- 1889
- 14. August: Wilhelm Münzenberg wird als Sohn des
Gastwirts Friedrich Münzenberg und dessen Ehefrau Luise (geb.
Meister) in Erfurt geboren.
- 1903/04
- Nach dem unregelmäßigen Besuch einer Dorfschule
besucht er ein Jahr die Volksschule in Gotha.
- 1906-1909
- Tätigkeit in der Erfurter Schuhfabrik "Lingel".
- Engagement im Arbeiterbildungsverein "Propaganda".
- 1910-1913
- Münzenberger geht auf Wanderschaft und erhält
in Zürich eine Anstellung als Hausbursche einer Apotheke.
- 1912
- Er wird Mitglied des Zentralvorstands der sozialistischen
Jugendorganisation in der Schweiz und redigiert die Monatszeitschrift
"Die freie Jugend".
- 1914-1918
- Im Ersten Weltkrieg übernimmt er die
Leitung des Internationalen Jugendsekretariats in Bern und lernt
Wladimir I. Lenin kennen.
- 1917
- Er wird in der Schweiz nach einer Demonstration verhaftet
und zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten verurteilt.
- 1918
- Nach seiner Freilassung gegen Kaution wird Münzenberg
erneut festgesetzt.
- 10. November: Als "mißliebigen Ausländer"
und "Anhänger der Oktoberrevolution" verweist ihn
die Schweizer Regierung des Landes.
- In Berlin schließt sich Münzenberg der Spartakusgruppe
an.
- 1919
- Er wird Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands
(KPD).
- November: Wahl zum Vorsitzenden der neu gegründeten Kommunistischen
Jugendinternationale.
- 1921
- Lenin beauftragt Münzenberg mit der Organisation
der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) für die vom
Hunger bedrohten Sowjetrussen.
- Gründung der Illustrierten "Sowjetrußland im
Bild" (ab 1926: "Arbeiter-Illustrierte-Zeitung").
- 1924
- Gründung des "Neuen Deutschen Verlags"
für die IAH. Der bereits seit 1914 bestehende Verlag wird
unentgeltlich auf Münzenbergs Namen übertragen.
- 1924-1933
- Mitglied des Zentralkomitees der KPD und Reichstagsabgeordneter.
- Als Leiter des Propagandaapparats der KPD baut Münzenberg
mit der "Kosmos-Verlag GmbH" ein Medienimperium auf.
Nach dem Konzern Alfred Hugenbergs ist Münzenbergs
Medienunternehmen das größte in Deutschland.
- 1926
- Münzenberg erwirbt die Zeitung "Welt am Abend"
und steigert deren Auflage in kürzester Zeit von 3.000 auf
über 100.000 Exemplare.
- Mit der Verleihgesellschaft "Prometheus" und der "Weltfilm"
sichert er sich den Alleinvertrieb aller sowjetischen Filme. Er
initiiert die Aufführung des Films "Panzerkreuzer Potemkin".
- 1928
- Gemeinsam mit Heinrich Zille gründet Münzenberg
die satirische Zeitschrift "Eulenspiegel".
- 1931
- Münzenbergs Tageszeitung "Berlin am Morgen"
erscheint erstmalig.
- Juli: Inmitten steigender Arbeitslosenzahlen gründet
Münzenberg erfolgreich die Illustrierte "Der Weg der
Frau" mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren.
- 1933
- Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler
und dem Reichstagsbrand emigriert Münzenberg nach
Paris. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Babette Gross
und einigen Mitarbeitern setzt er seine publizistische Tätigkeit
gegen das NS-Regime fort.
- Gründung des Verlags "Éditions
du Carrefour" unter der Ägide der Kommunistischen
Internationale (Komintern). Münzenberg veröffentlicht
hier bis 1937 etwa 50 deutschsprachige Publikationen.
- Veröffentlichung des "Braunbuchs über Reichstagsbrand
und Hitlerterror".
- 1935
- September: In Paris plädiert Münzenberg auf
der Zusammenkunft deutscher Oppositioneller zur Vorbereitung der
deutschen "Volksfront" für ein Bündnis aller
Hitler-Gegner, ungeachtet ihrer weltanschaulichen und politischen
Gegensätze.
- 1938
- 22. März: Wegen seiner Kritik an Josef W. Stalins
Politik der Ermordung unliebsamer Parteigenossen wird er aus dem
ZK der KPD ausgeschlossen und aller Funktionen enthoben.
- 1939
- 6. März: Parteiausschluß Münzenbergs.
- Gründung der "Éditions Sebastian Brant",
in der neben der Zeitschrift "Die Zukunft" deutsche
Exilliteratur erscheint.
- Nach dem Hitler-Stalin-Pakt schlägt Münzenberg
im Zweiten Weltkrieg eine strikt antikommunistische Haltung
ein.
- 1940
- Mai: Nach Beginn der Westoffensive deutscher Truppen
wird er im Lager Chambaran in Lyon interniert.
- 21./22. Juni: Münzenberg flieht vor den deutschen Einheiten
in den Süden Frankreichs.
- 21. Oktober: Willi Münzenberg wird erhängt in einem
Wald bei Saint-Marcellin (Dépt. Isère, Frankreich)
aufgefunden. Während Selbstmord nicht ausgeschlossen werden
kann, bleibt es ungeklärt, ob er durch die Geheime Staatspolizei
(Gestapo) ermordet wurde oder ob sowjetische Agenten für
den Tod Münzenbergs verantwortlich waren.
(se)
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