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  KOSTÜMFILME

 

KOSTÜMFILME

Dem historischen Kostümfilm ist eine faszinierende Ambivalenz eigen. Einerseits setzen zahllose Historienfilme auf den historisch verbürgten Mantel oder das zeit- und milieutypische Kleid, wenn der Anspruch erhoben werden soll, eine vergangene Epoche adäquat darzustellen. Der Ehrgeiz nicht weniger Kostümdesigner zielt auf die Detailgenauigkeit der verwendeten Stoffe und Muster, die Werbekampagnen ungezählter Kostümfilme heben auf die Authentizität von Kleidung und Dekor ab. Doch der historische Kostümfilm besitzt auch eine Kehrseite, die nicht auf historische Recherche und gestalterische Akribie verweist, sondern von aktuellen Modeströmungen, den Erfordernissen des Filmschauspiels und der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks erzählt. Kostümfilme sind nicht gefeit gegen die Bedürfnisse der Gegenwart und die Notwendigkeiten der Filmproduktion. Warum auch: Für den artistischen Kampf des Abenteurers ist der Umhang, der getreu einer historischen Vorlage geschneidert wurde, ungeeignet. Und für das zeitgenössische Publikum ist das period drama eben auch insofern interessant, als es die eigenen zeitgenössischen Vorstellungen von Mode, Schönheit und Geschmack stimulieren kann.

Die Retrospektive KOSTÜMFILME lädt ein, diese beiden Seiten des Historienfilms im Allgemeinen und des Kostümfilms im Besonderen wahrzunehmen und zu erleben. Begleitend zu den Ausstellungen FASHIONING FASHION und FOKUS FASHION, die noch bis zum 29. Juli im Deutschen Historischen Museum besucht werden können, präsentiert sie einen filmhistorischen Längsschnitt  durch die Geschichte des US-amerikanischen und westeuropäischen Kostümfilms.

 

KOSTÜMFILME
The Private Life of Henry VIII.
Das Privatleben von Henry VIII.
GB 1933, R: Alexander Korda, K: Georges Périnal, Kostüme: John Armstrong, Mu: Kurt Schröder, D: Charles Laughton, Merle Oberon, Wendy Barrie, Elsa Lanchester, 97' 35 mm, OF

Das großartige Porträt Englands zur Zeit Heinrichs VIII. (1491-1547), den Charles Laughton als Kraftmeier, Scheusal und betrogenen Gatten spielt. Dass der König zwei seiner sechs Ehefrauen hinrichten lässt, ist dabei die eine Seite; die Sorge seiner zum Tode verurteilten Frau Anne Boleyn um ihre Frisur und das fröhliche Pfeifen des Henkers beim Schleifen seines Schwertes, die Intrigen und das Getratsche bei Hofe sind die andere Seite des trotz vergleichsweise niedrigen Budgets aufwändig inszenierten Spektakels voll abgründigem Humor. Für die britische Filmindustrie begann mit Alexander Kordas Welterfolg eine neue Ära, in der speziell dem Kostümfilm eine Sonderrolle zukam. Nach der deutschen Premiere lobte der Film-Kurier: „In die Anfänge der Renaissance werden wir mit bewundernswertem Elan herabgeführt und freuen uns, mit welcher Leichtigkeit und Grazie die Darsteller ihre Kostüme tragen – dieses Genre schien auf absteigender Linie zu sein, vielleicht wird durch dieses großangelegte Bild der Kostümfilm neue Impulse erhalten. Echte Menschen tragen diese Kostüme – die Mischung zwischen historischer Echtheit und moderner, das heißt ironisierender Betrachtungsweise wird eklatant. England legt sich mit diesem Film, der Anfänge eines neuen und typischen englischen Stils bedeuten mag, ganz nach vorn.“ (18.1.1934). (ps)

am 9.6.2012 um 19.00 Uhr





KOSTÜMFILME
Die klugen Frauen
La kermesse héroïque
F 1935, R: Jacques Feyder, K: Harry Stradling Sr., Kostüme: Georges K. Benda, D: Françoise Rosay, André Alerme, Jean Murat, 97' 16 mm, deutsche OF mit engl. UT

Flandern im Jahr 1616. Spanische Truppen haben das Land besetzt und ziehen plündernd umher. Um die Landsknechte davon abzuhalten, auch das eigene Dorf einzunehmen, ersinnt ein Bürgermeister eine List: Er stellt sich tot, während sich alle anderen Männern verstecken. Doch als die Spanier einmarschieren, übernehmen die Frauen des Dorfes das Kommando und laden die Besatzer zu einem prächtigen Karnevalsfest ein. Ihre Gastfreundschaft überwindet das Trennende und bannt die Gefahr. Als Vorbilder für Ausstattung und Kostüme dienten dem selbst in Belgien geborenen Regisseur Jacques Feyder die so humorvollen wie realistischen Gemälde flämischer und niederländischer Meister wie Pieter Brueghel, Franz Hals und Jan Steen. Als Filmarchitekt stand Feyder, dessen Ehefrau Françoise Rosay in der weiblichen Hauptrolle brilliert, einmal mehr Lazare Meerson zur Seite, einer der prägenden Künstler des Poetischen Realismus der 1930er Jahre. Auch im Ausland wurde der Film gefeiert. Nachdem er in Amerika zunächst wegen moralischer Bedenken verboten worden war, empfahl ihn die New York Times nach seiner Zulassung im September 1936 als frische, geistreiche Komödie, die technisch womöglich noch besser sei als alles, was damals aus Hollywood kam. Unter dem Titel Die klugen Frauen entstand parallel zur französischen Version auch eine deutsche Version, nach deren umjubelter Uraufführung Felix Henseleit resümierte: „Ein rauschender Erfolg.“ (Der Film, 18.1.1936). (ps)

am 9.6.2012 um 21.00 Uhr





KOSTÜMFILME
Madame Dubarry
D 1919, R: Ernst Lubitsch, Kostüme: Ali Hubert, D: Pola Negri, Emil Jannings, Reinhold Schünzel, Harry Liedtke, Eduard von Winterstein, ca. 109' 35 mm

Der Aufstieg eines kleinen Lehrmädchens aus einem Modesalon zur Geliebten des französischen Königs, seine erotischen Abenteuer, sein Leben im Luxus und sein Ende auf dem Schafott während der Französischen Revolution. Lose angelehnt an die Biographie der aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Marie-Jeanne Bécu, comtesse du Barry (1743-1793), der Mätresse von Ludwig XV., sowie an die Operette Die Dubarry (1879) von Carl Millöcker bietet Madame Dubarry ein überschäumend vitales, grandios inszeniertes und schlichtweg umwerfend gespieltes Spektakel mit gepuderten Perücken, grazilen Hütchen und wallenden Rokoko-Gewändern. Ein Tanz auf dem Vulkan, vollführt von der verrucht-fröhlichen Pola Negri und dem brutal-herzlichen Emil Jannings. Ernst Lubitsch, Sohn eines Schneidermeisters und früher selbst Lehrling in der Modebranche, katapultiert sich mit Madame Dubarry 1919 an die Spitze der deutschen Filmregisseure. Sein Revolutionsdrama verquirlt die Tonlage der Operette mit dem Donnern der Weltgeschichte auf unverschämt charmante Art und Weise. Von Deutschland aus, das nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg darniederliegt und bei den Nachbarn verhasst ist, geht Madame Dubarry um die ganze Welt und kündet von einem neuen freiheitlichen Geist. Die Lichtbild-Bühne jubelt: „Zuerst entzückt, rein äußerlich, das Kostüm der Zeit, die Echtheit des mit einer Akkuratesse ohnegleichen gestellten Milieus (...). Lubitsch (...) hat sich hier selbst übertroffen und alles bisher Geleistete vergessen gemacht vor dieser genialen Schöpfung.“ (20.9.1919). Wir zeigen eine viragierte Kopie. (ps)

Klavierbegleitung: Stephan von Bothmer
am 10.6.2012 um 18.30 Uhr





KOSTÜMFILME
The Scarlet Empress
Die scharlachrote Kaiserin
USA 1934, R: Josef von Sternberg, K: Bert Glannon, Kostüme: Travis Banton, D: Marlene Dietrich, John Lodge, Sam Jaffe, Louise Dresser, Maria Sieber, 104' 35 mm, OF

Gleich zwei große Filme kommen 1934 in die Kinos, die vom Aufstieg der Zarin Katharina der Großen (1729-1796) handeln, einmal gespielt von Elisabeth Bergner, einmal von Marlene Dietrich: Wo The Rise of Catherine the Great, in England produziert von Alexander Korda, melodramatisch und etwas konventionell mit der Trauer der Zarin über ihren ermordeten Gatten Peter III. endet, da erstickt Josef von Sternberg in The Scarlet Empress jeden Anflug von Sentimentalität in einem Exzess der Form: So radikal wie nie zuvor setzt der Regisseur die Mittel der Inszenierung ein, lädt Räume und Gegenstände mit Bedeutung auf, um eine Geschichte von politischer und sexueller Macht, von wachsendem Hass und Verrat zu erzählen. In der prunkvollen Architektur, den buchstäblich atemberaubenden Kleidern und dem höfischen Pomp sind alle Leidenschaften erkaltet und ersetzt durch kalkulierte Sinnlichkeit. Was damals das Publikum irritierte, erweist sich heute als modern. Über Marlene Dietrich heißt es in Variety: „Niemals ist die Dietrich so schön gewesen wie hier. Wieder und wieder wird sie in Großaufnahmen gezeigt, hinter Schleiern, hinter dünnen Netzvorhängen, dass einem der Atem stockt. Niemals aber darf sie wirklich lebendig sein. Sie ist gleichsam wie verzaubert von den gewaltigen Dekorationen, durch die sie schreitet.“ (18.9.1934). (ps)

am 12.6.2012 um 20.00 Uhr





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Gone with the Wind
Vom Winde verweht
USA 1939, R: Victor Fleming, M: Max Steiner, Kostüme: Walter Plunkett, D: Vivien Leigh, Clark Gable, Thomas Mitchell, Olivia de Havilland, Ann Rutherford, Leslie Howard, 220' 35 mm, DF

Endlich Farbe! Nach dem Bestseller von Margaret Mitchell beheizt Gone with the Wind mit Feuer und Zerstörungswut, Leidenschaft und Technicolor das Panorama des amerikanischen Südens in der Zeit des Bürgerkriegs (1861-1865). Im Zentrum stehen die Irrungen und Wirrungen von Scarlett O’Hara (Vivien Leigh), der Tochter eines Baumwollplantagenbesitzers und Sklavenhalters: In ihrem Lebenslauf spiegelt sich der Untergang einer von stärksten Widersprüchen und nostalgischen Erinnerungen geprägten Epoche. Am Ende steht nicht Erfüllung, sondern Entsagung. Auch mit Blick auf die nun in satten Farben strahlenden Kostüme erweist sich David O. Selznicks jeden Maßstab sprengende Großproduktion als ungeheuere Leistung: Tausende Kostüme wurden gefertigt nach Entwürfen von Walter Plunkett, der dazu auch historische Recherchen angestellt hatte. Dabei berücksichtigte Plunkett, dass sich im Verlauf des Jahrzehntes, über das sich die Handlung des Films erstreckt, die Damenmode mehrfach änderte. Während also die Leinwand in Flammen steht und die Gefühle Kapriolen schlagen, erfreut uns Gone with the Wind ganz nebenbei auch mit einer historischen Modenschau, die allein schon den Eintritt lohnt. (ps)

am 15.6.2012 um 19.00 Uhr
am 17.6.2012 um 16.00 Uhr





KOSTÜMFILME
Cirano di Bergerac
Cyrano de Bergerac
I/F 1923, R: Augusto Genina, B: Mario Camerini nach dem Theaterstück von Edmond Rostand, D: Pierre Magnier, Linda Moglia, Angelo Ferrari, Umberto Casili, Alex Bernard, 91' DigiBeta, frz. ZT

1640 verliebt sich Cyrano de Bergerac in Paris in seine Cousine Roxane, die wiederum für den schüchternen Musketier Christian schwärmt. Cyrano, ein Haudegen und Dichter, traut sich nicht, der Angebeteten seine eigenen Gefühle zu gestehen, weil er sich wegen seiner großen Nase schämt. Stattdessen spielt er Schicksal und überlässt dem schönen, aber ungelenken Christian seine Gedichte, mit denen dieser das Herz von Roxane im Sturm erobert. Nachdem Edmond Rostand die Geschichte des historischen Cyrano de Bergerac (1619-1655) durch seine gleichnamige romantische Komödie aus dem Jahr 1897 populär gemacht hatte, wurde der Stoff ab 1900 auch immer wieder für die Leinwand bearbeitet. Zu den charmantesten Verfilmungen gehört die des Italieners Augusto Genina (1892-1957), dessen Drehbuch von seinem Cousin Mario Camerini verfasst wurde, der Jahrzehnte später auch bei Krieg und Frieden (1956) mitwirkte. Neben der gediegenen Ausstattung und den historischen Kostümen fällt dabei vor allem die Farbe ins Auge: Geninas Film ist nämlich nicht – wie damals üblich – szenenweise in einem bestimmten Ton eingefärbt, sondern vielfarbig schablonenkoloriert. Ein prachtvolles Spektakel. (ps)

am 16.6.2012 um 21.00 Uhr





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Victoria the Great
GB 1937, R/P: Herbert Wilcox, Kostüme: Doris Zinkeisen, D: Anna Neagle, Anton Walbrook (Adolf Wohlbrück), Walter Rilla, H.B. Warner, Mary Morris, 112' 35 mm, OF

Nach dem Tod ihres Onkels besteigt die gerade 18-jährige Prinzessin Victoria (1819-1901) im Jahr 1837 den englischen Thron. Sie ist mit einem Schlag die mächtigste Frau der Welt. Jetzt muss erst einmal ein Ehemann her. Die Wahl fällt auf ihren gleichaltrigen Cousin, den deutschen Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861). Wider Erwarten verliebt sich die Königin in ihren Bräutigam. Und nachdem Albert seiner willensstarken Frau einige Rechte abgetrotzt hat, führen die beiden auch eine glückliche Ehe. Als Albert überraschend früh stirbt, beginnt für die Königin die lange Zeit der Trauer. Nicht zuletzt wegen ihrer Regierungsdauer von 63 Jahren eignete sich Victoria besonders gut zur Verklärung: Der Film Victoria the Great kam genau 100 Jahre nach ihrer Thronbesteigung ins Kino. Vielleicht noch auffälliger als Anna Neagle in der Rolle der Königin agiert Adolf Wohlbrück als Albert. Der in Wien geborene Schauspieler ließ sich nach seiner Emigration aus Deutschland in England nieder und nannte sich fortan Anton Walbrook. Dem durchschlagenden Erfolg schloss sich 1938 ein zweiter Victoria-Film – nun ganz in Technicolor – mit ähnlicher Besetzung an, Sixty Glorious Years. Dass das Drehbuch zu dieser Apotheose der englischen Monarchie und des britischen Empire von Robert Vansittart stammte, der grauen Eminenz des Foreign Office, lässt ahnen, wie sehr hier Biografie, Kostümfilm und Erinnerungspolitik ineinandergriffen. (ps)

am 21.6.2012 um 20.00 Uhr
am 23.6.2012 um 18.30 Uhr





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Bel Ami. Der Liebling schöner Frauen
D 1939, R/P: Willi Forst, B: Willi Forst, Axel Eggebrecht nach dem Roman von Guy de Maupassant, D: Willi Forst, Olga Tschechowa, Johannes Riemann, Ilse Werner, Hilde Hildebrand, 96' 35 mm

Der mittellose George Duroy (Willi Forst) schafft im Paris des Fin de Siècle in kurzer Zeit den Sprung vom unbedeutenden Journalisten zum respektierten Mitglied der feinen Gesellschaft. Das gelingt ihm nicht etwa – wie in der 1885 erschienenen Romanvorlage von Guy de Maupassant – dank seines Ehrgeizes und brutaler Berechnung, sondern wegen seines Glücks bei den Frauen. Diese machen ihn zu ihrem Geliebten und fördern ihn, denn Duroy ist charmant und umgänglich: Der schwarze Frack sitzt ihm wie angegossen; dazu trägt er einen Zylinder und jongliert mit dem Spazierstock. Bel Ami ist die Geschichte eines Aufsteigers, käuflich, elegant und unmoralisch – und versehen mit kleinen satirischen Spitzen gegen die Kungelei von Presse, Politik und Kapital. Eine Gestalt, die im „Dritten Reich“ so gar nicht zum Vorbild taugte, weshalb Willi Forsts selbst produzierter und ursprünglich als internationales Projekt geplanter Film bei den Oberen auch nicht auf Gegenliebe stieß. Ausschlaggebend war dafür sicher die Art und Weise, wie sich Forst selbst inszenierte. Über den Protagonisten schreibt Francesco Bono: „Er wirkt frivol und sympathisch. Er nimmt das Leben, wie es kommt. Ist ein Charmeur, der gleich das Publikum erobert. (...) Mag es nicht tadellos sein, so wirkt sein Benehmen nicht verwerflich. So korrigiert der Film das Urteil, das im Roman über Bel-Ami gefällt wird, und spricht ihn frei.“ (Francesco Bono: Willi Forst. Ein filmkritisches Porträt. München 2010). (ps)

am 22.6.2012 um 21.00 Uhr
am 24.6.2012 um 21.00 Uhr





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Pride and Prejudice
Stolz und Vorurteil
USA 1940, R: Robert Z. Leonard, K: Karl Freund, Kostüme: Adrian (Adrian Adolph Greenburg), D: Laurence Olivier, Greer Garson, Maureen O'Sullivan, Edna May Oliver, Mary Boland, Ann Rutherford, 117' 35 mm, OF

Das Wohl und Wehe des englischen Landadels im frühen 19. Jahrhundert. Als die vermögenden und obendrein gutaussehenden Junggesellen Mr. Darcy (Laurence Olivier) und Mr. Bingley in Meryton eintreffen, sorgt dies bei der Familie Bennet für schwere Turbulenzen, weil ihre Tochter Elizabeth (Greer Garson) und deren vier Schwestern allesamt in heiratsfähigem Alter sind und gerade jetzt ein männlicher Erbe schmerzlich vermisst wird. Basierend zu gleichen Teilen auf Jane Austens Roman von 1813, Helen Jeromes Bühnenadaption von 1936 und dem gemeinsamen Drehbuch von Jane Murfin und dem britischen Schriftsteller Aldous Huxley präsentiert sich die sorgfältig gestaltete, Oscar-prämierte MGM-Verfilmung von Pride and Prejudice als schwungvolle, mit Wortwitz und Ironie getränkte Screwball Comedy über Sitten, Moral und Bildung, als feiner Schauspielerfilm und nicht zuletzt als glänzender Kostümball. Die Abendkleider wurden von Adrian – bürgerlich Adrian Adolph Greenburg (1903-1959) – entworfen, dessen Genie schon 1939 in The Wizard of Oz und Ninotchka zu bewundern war. Die Werbung warnte: „Bachelors Beware! Five Gorgeous Beauties are on a Mad-Cap Manhunt!“ (ps)

am 23.6.2012 um 21.00 Uhr





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Münchhausen
D 1942, R: Josef von Baky, B: Erich Kästner, Kostüme: Manon Hahn, D: Hans Albers, Hans Brausewetter, Käthe Haack, Brigitte Horney, Ilse Werner, Ferdinand Marian, 115' 35 mm

Historienfilmen im Allgemeinen und Kostümfilmen im Besonderen haftet oft ein nostalgischer Zug an: Sie präsentieren eine Vergangenheit, in der die Menschen anders sprechen, sich anders benehmen, kleiden und bewegen als heute. Wenn solche Filme dem Betrachter also die Möglichkeit zum Abtauchen, Träumen und Erinnern geben, so verfolgen sie doch nicht selten auch ganz gegenwärtige Zwecke und lassen sich als Gleichnisse und Gegenbilder mit ideologischem Ballast verstehen. Dem Sehvergnügen und Staunen muss das keinen Abbruch tun, wie auch Münchhausen zeigt. Die deutsche Antwort auf Gone with the Wind war einer der größten Prestigefilme des „Dritten Reichs“ und entstand mitten im Zweiten Weltkrieg, dessen Schrecken der Film wegerzählte. Der von Hans Albers mit viel Selbstironie verkörperte Lügenbaron, Frauenheld und Weltenbummler Hieronymus von Münchhausen (1720-1797) reist hier kreuz und quer durch das Europa des 18. Jahrhunderts, trifft in St. Petersburg Zarin Katharina die Große (1729-1796) und Graf Cagliostro (1743-1795), in Konstantinopel Sultan Abdülhamid I. (1725-1789) und in Venedig Giacomo Casanova (1725-1798). Berühmt ist der Film wegen seiner fabelhaften Special Effects. Die gleiche Aufmerksamkeit verdienen jedoch die in Agfacolor erblühenden Kostüme von Manon Hahn, die den Betrachter – wie in Gone with the Wind – in eine historische Modenschau versetzen. (ps)

am 24.6.2012 um 18.30 Uhr
am 27.6.2012 um 20.00 Uhr





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Monsieur Beaucaire
USA 1924, R/P: Sidney Olcott, B: Booth Tarkington, Kostüme: Natacha Rambova, Georges Barbier, D: Rudolph Valentino, Bebe Daniels, Lois Wilson, Doris Kenyon, Lowell Sherman, 106' 16 mm, engl. ZT

Trägt der schönste Mann der Welt auch die schönsten Kleider? In Monsieur Beaucaire nach Booth Tarkingtons Roman spielt Rudolph Valentino (1895-1926) einen französischen Grafen zur Zeit Ludwigs XV. (1710-1774), der vor der Heirat mit einer Prinzessin Reißaus nimmt, nach England flüchtet und dort unter falschem Namen die Damenwelt durcheinanderbringt. Elegante Frauen und Kavaliere, Helden und Huren, Schelme und Intriganten, Duelle und Florettgefechte. Von seiner Ehefrau Natacha Rambova in edle Rokoko-Kleider gewandet, macht Valentino eine ausgesprochen gute Figur; an seiner Seite spielt die wunderbare Bebe Daniels. Als die Paramount-Produktion zwei Wochen vor Valentinos frühem Tod auch in Deutschland herauskommt, ist die Kritik von ihrer Schönheit wie in Bann geschlagen: „In keinem Film, der je gedreht wurde, ist Frankreich so gut angezogen gewesen wie in diesem, der geradezu als eine kostümliche Sinfonie bezeichnet werden kann. Gibt es so etwas, kann man so etwas ... die Fassade eines Säkulums aufbauen aus Spitzen, Bändern, Brillanten, Spangen, Bordüren, Stickereien, Knöpfen, Litzen, Laschen? Die Sprache hat nicht genug Bezeichnungen für die tausendfältigen Seidenschimmer, die ein unerhörter Meister, ein Dichter in Brokat und Samt da um eine paar Filmschauspieler gehüllt hat. Der ganze Sinn des Films: eine geniale Kostümierung in Schwarz-Weiß, in farbigsten Sechsteltönungen. Man muß weder ein Schneider noch ein Schuster sein, um die Delikatessen dieser Schöpfung zu genießen.“ (Film-Kurier, 6.8.1926). (ps)

Klavierbegleitung: Peter Gotthardt
am 26.6.2012 um 20.00 Uhr





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A Room with a View
Zimmer mit Aussicht
GB 1986, R: James Ivory, B: Ruth Prawer Jhabvala nach dem Roman von E. M. Forster, Kostüme: Jenny Beavan, John Bright, D: Helena Bonham Carter, Maggie Smith, Denholm Elliott, Daniel Day-Lewis, Judi Dench, 116' 35 mm, OmU

Der Zusammenstoß verschiedener Welten: Das lebensfrohe, in goldbraunen und rötlichen Tönen geschilderte Italien trifft auf das steife, auf Etikette bedachte England Edwards VII.; auch die Kostüme – für die Jenny Beavan einen Oscar bekam – erzählen von diesen zwei Welten. Entstanden nach dem Roman von E. M. Forster aus dem Jahr 1908 spiegelt A Room with a View mit feinem Witz und hervorragender Beobachtungsgabe eine Klassengesellschaft, die es der jungen Lucy Honeychurch (Helena Bonham Carter) schwer macht, ihren Gefühlen nachzugeben. Wie soll sie sich nur zwischen dem vitalen George und dem dekadenten Dandy Cecil (Daniel Day-Lewis) entscheiden? Der ganz eigene Stil sowie Stoff, Sprache, Schauplatz, Ausstattung und Schauspielerensemble machten A Room with a View zum gefeierten Vertreter einer neuen Welle von Literaturverfilmungen, die weltweit unter der Bezeichnung „britisch“ vermarktet wurden. Mit Vorliebe lagen ihnen Romane von E. M. Forster und Jane Austen zugrunde. Es entbehrt nicht der Ironie, dass für die erfolgreichsten Filme dieser Art der amerikanische Regisseur James Ivory gemeinsam mit dem aus Indien stammenden Produzenten Ismail Merchant verantwortlich war. „Trotz aller nostalgischen Verkleidungen ist auch die Inszenierung des Films sehr modern, weil sie ein aufgeklärtes, amüsantes Sittengemälde vorführt und ein hohes Maß an Durchsichtigkeit besitzt. Ivorys Zimmer mit Aussicht ist ein Augenschmaus und manchmal auch eine Kostümfilmschnulze, aber eben auch eine sehr präzise Komödie. Die Ambivalenz macht den Film spannend.“ (Siegfried Schober, Die Zeit, 12.12.1986). (ps)

am 28.6.2012 um 20.00 Uhr
am 30.6.2012 um 18.30 Uhr





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Les enfants du paradis
Kinder des Olymp
F 1945, R: Marcel Carné, B: Jacques Prévert, K: Roger Hubert, Kostüme: Mayo (Antoine Malliarakis), D: Arletty, Jean-Louis Barrault, Pierre Brasseur, Marcel Herrand, Pierre Renoir, 189' 35 mm, OmeU

Eines der epochalen Melodramen der Filmgeschichte und dazu ein Meisterwerk des Poetischen Realismus. Les enfants du paradis entführt uns in die Welt des Pariser Theaters um 1830, wo die schöne, anziehende Garance (Arletty) hin- und hertreibt zwischen vier Liebhabern, die alle berühmten Zeitgenossen nachempfunden sind: dem Rebellen, Dichter und Mörder Pierre-François Lacenaire (1800-1836), dem Schauspieler und Autor Frédérick Lemaître (1800-1876), dem Staatsmann Charles de Morny (1811-1865) und dem Pantomimen Jean-Gaspard Debureau (1796-1846). Dass Les enfants du paradis inmitten des Zweiten Weltkriegs im von den Deutschen besetzten Frankreich überhaupt entstehen konnte und dass daran auch mehrere verfolgte Künstler mitarbeiteten, hat zum Mythos des Films wesentlich beigetragen. Die treibende Kraft war der schon damals berühmte Regisseur Marcel Carné: Ihm gelang es in einer Zeit der Not, des Hungers und der erzwungenen Zugeständnisse, einen Kostümfilm mit tausenden Statisten und aufwendigen Bauten zu realisieren, dessen Fertigstellung allein schon als Ausdruck künstlerischen Mutes und Widerstehens angesehen wurde. Das Resultat erscheint wie aus einer anderen Welt: so schön, so sentimental, so bitter. (ps)

Mit freundlicher Unterstützung des Institut français Berlin

am 29.6.2012 um 19.30 Uhr
am 1.7.2012 um 19.00 Uhr





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La belle et la bête
F 1946, R/B: Jean Cocteau, K: Henri Alekan, Kostüme: Antonio Castillo, Marcel Escoffier, Christian Bérard, D: Jean Marais, Josette Day, Marcel André, Michel Auclair, 93' Blu-ray, OmU

Die Geschichte von der Schönen und dem Biest, das immer wieder seine Frage wiederholt: „Bella, wollt Ihr meine Frau werden?“ Bis die junge und zunächst verängstigte Frau das Wesen, halb Mensch, halb Tier, wirklich erkennt. Nach dem 1757 geschriebenen Märchen der französischen Schriftstellerin Jeanne-Marie Leprince de Beaumont schuf der vor allem als surrealistischer Dichter bekannte Jean Cocteau einen Film voller rätselhafter Poesie, dessen Figuren zwar in historisch anmutende Rokoko-Kostüme gekleidet sind, deren Welt aber doch ganz und gar der Fantasie, einer anderen Wirklichkeit entspringt.

Als La belle et la bête, der heute als Meisterwerk der Filmkunst verehrt wird, 1947 im vom Krieg zerstörten Deutschland aufgeführt wurde, ging ein Raunen durch die Filmkritik, weil hier eine verlorene, vom Nationalsozialismus brutal abgeschnittene Tradition aufschien: „Viel Zauberei. Malerische Tricks. Viel untergründige Psychologie. Aber immer wieder Reinheit und Naivität des Märchentons. (Beste Stummfilm-Tradition: Wegener, Murnau, Pabst, Lang.) Vor allem aber: immer wieder eine Kamerakultur von hohem, manchmal höchstem Rang. Jede Einstellung, durchaus nicht etwa originell um jeden Preis, ist sinnvoll: nicht Bild um des äußerlich schönen Bildes willen, sondern optische Deutung eines inneren Vorgangs. Jede Einstellung stellt nicht nur etwas dar, sondern bedeutet auch etwas. Alles ist Gleichnis wie stets in echten Märchen, und gleichzeitig doch von kräftiger Realität, wenn auch auf einer erhöhten oder vielmehr einer verzauberten Wirklichkeitsebene.“ (Gunter Groll, Süddeutsche Zeitung, 5.7.1947). (ps)

am 30.6.2012 um 21.00 Uhr





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The Wedding March
Hochzeitsmarsch
USA 1928, R/B: Erich von Stroheim, Kostüme: Max Rée, D: Erich von Stroheim, Fay Wray, Zasu Pitts, Matthew Betz, George Fawcett, 113' 35 mm, engl. ZT

Die österreichische Monarchie, die Militärgläubigkeit, die falsche Verklärung der Vergangenheit, die allgemeine Heuchelei und Borniertheit: Das waren die Lebensthemen des gebürtigen Wieners Erich von Stroheim (1885-1957), dessen Filme in Hollywood seit den frühen 1920er Jahren wegen ihrer beißenden Gesellschaftskritik, mehr noch aber wegen ihrer Missachtung aller Konventionen und kommerziellen Rücksichten für Furore sorgten. Weil sie von den Studios und der Zensur zerschnitten wurden, existiert heute keiner seiner Filme mehr in der vom Regisseur vorgesehenen Form. Das gilt auch für The Wedding March, von dem nur noch der erste Teil überliefert ist. Die Geschichte klingt wie aus einem Groschenroman: Im Wien des Jahres 1914 darf der mittellose adlige Gardeoffizier Nicki nicht das einfache Mädchen heiraten, das er liebt. Stattdessen wird er mit der Tochter eines reichen Fabrikanten verkuppelt, der scharf auf einen Adelstitel ist. Das einfache Mädchen heiratet gegen seinen Willen einen gewalttätigen Metzger. Der Hochzeitsmarsch verheißt zum Schluss also nicht Glück, sondern Unglück. So pedantisch der Regisseur über die kleinsten Details der Uniformen wachte, so wenig entsprach sein Wien der damals gängigen Walzerseligkeit. Während das Publikum Stroheims unsentimentale Schärfe und seinen Sarkasmus missbilligte, jubelte mancher Kritiker über seine Kompromisslosigkeit: „Man muß Hollywood doch allerhand abbitten. Wo sonst in der Welt sollte ein Maniak wie Erich von Stroheim seine Millionenfilme drehen? (...) Was Stroheim in diesem Film gibt, ist das grauenvoll wahrhaftige Bild jener Gesellschaft, aus der, von ihrem leichtfertigsten Mitglied verbrecherisch entfacht, vor jetzt gerade fünfzehn Jahren der Funke zum furchtbarsten Weltbrand der Menschengeschichte auffuhr. Hochzeitsmarsch ist mehr als ein aufwühlendes Kunstwerk; es ist ein historisches Dokument. Die Fruchtbarkeit schöpferischen Hasses hat sich selten so schlagend erwiesen wie durch Erich von Stroheim.“ (Harry Kahn, Die Weltbühne, 23.7.1929). (ps)

am 3.7.2012 um 20.00 Uhr





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The Draughtsman's Contract
Der Kontrakt des Zeichners
GB 1982, R/B: Peter Greenaway, M: Michael Nyman, Kostüme: Sue Blane, D: Anthony Higgins, Janet Suzman, Anne-Louise Lambert, Hugh Fraser, 108' 35 mm, OF

Bereits in seinem ersten Spielfilm gelingt dem vielseitigen Künstler Peter Greenaway die Vermählung von Erzählkino und Avantgardefilm. Greenaway, der Anleihen macht bei Michelangelo Antonionis Blow Up (1966), führt uns vor Augen, dass genaues Hinsehen noch kein Verstehen bedeutet und dass Wahrheit und Wahrnehmung in einem ziemlich vertrackten Verhältnis zueinander stehen: Die Hauptfigur von The Draughtsman’s Contract ist ein viel gefragter, aus kleinen Verhältnissen aufgestiegener Zeichner, der im Jahr 1694 einen englischen Landsitz haargenau abbilden soll. Zum Honorar des Künstlers gehört dabei, dass ihm seine adlige Auftraggeberin nachts zur Verfügung stehen muss. Der Zeichner macht sich an die Arbeit, und jedes Detail wird festgehalten. Die Intrigen um ihn herum ahnt er kaum, als eines Tages eine Leiche im Gartenteich liegt. Können seine Zeichnungen bei der Aufklärung des Todesfalls helfen? Gerade noch erfreute sich der Betrachter an den delikat komponierten Tableaus und an barocker Musik. „Doch dann stören bei der Musik seltsame Disharmonien. Man wundert sich über die sexuelle Gewalttätigkeit des Malers. Man bemerkt, daß die Kostüme übertrieben sind, daß die kunstvoll aufgetürmten Perücken wohl niemals so hoch waren, die Sprache schwerlich so stilisiert. Plötzlich scheint auch das Gras des englischen Rasens unnatürlich, fast giftig. Unterderhand hat sich der Ausstattungsfilm in einen Thriller verwandelt.“ (Walter Schobert, Rheinischer Merkur, 5.8.1988). (ps)

am 7.7.2012 um 19.00 Uhr
am 8.7.2012 um 21.00 Uhr





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My Fair Lady
USA 1963, R: George Cukor, Kostüme: Cecil Beaton, D: Audrey Hepburn, Rex Harrison, Stanley Holloway, Wilfrid Hyde-White, Gladys Cooper, 170' 35 mm, OF

Diese Hüte! Aufgrund einer Wette zwischen Professor Higgins (Rex Harrison) und Colonel Pickering wird aus der armen Blumenverkäuferin Eliza Doolittle (Audrey Hepburn) der glanzvolle Mittelpunkt der Londoner High Society. Bei festlichen Bällen und beim Pferderennen kann Eliza nicht nur mit feinstem Englisch aufwarten (wenn sie nicht gerade einen kleinen Rückfall hat), sondern auch mit einer Garderobe, die Frauen und Männer gleichermaßen ganz hibbelig macht. Die auf George Bernard Shaws spöttischer Gesellschaftsanalyse in Pygmalion (1913) und Alan Jay Lerners und Frederick Loewes Broadway-Musical von 1956 basierende Superproduktion wartet mit prallen Farben, immensen Kulissen und 70mm-Breitwandformat auf; dazu die zündenden Melodien und Oscar-prämierten Kostüme. „Bei der Verfilmung unter der Regie von George Cukor hat My Fair Lady kaum etwas von ihrem verführerischen Charme verloren. (...) Man singt im Sitzen und im Stehen, auf der Straße und im Bett (...). Nicht zu vergessen die Kostüme Cecil Beatons, die dem Film Stil und Farbe geben und in ihrem modischen Schick ein Bild der englischen Society zu Beginn dieses Jahrhunderts entwerfen.“ (Hans Sahl, Die Welt, 14.11.1964). (ps)

am 14.7.2012 um 19.30 Uhr





KOSTÜMFILME
Anne of the Thousand Days
GB 1969, R: Charles Jarrott, Kostüme: Margaret Furse, D: Richard Burton, Geneviève Bujold, Irene Papas, Anthony Quayle, 145' DVD, OF

Hätte es ihn nicht wirklich gegeben, hätte man ihn erfinden müssen: Heinrich VIII. gehört zu den großen mythischen Figuren des Kinos wie Iwan der Schreckliche und Jack the Ripper. Dass er sechsmal heiratete und zwei seiner Ehefrauen hinrichten ließ, machte ihn für immer zu einer furchtbar faszinierenden Gestalt. Nachdem in vorangegangenen Jahrzehnten Leinwandhelden wie Emil Jannings und Charles Laughton den König verkörpert hatten, war 1969 Richard Burton an der Reihe: In Anne of the Thousand Days denkt Heinrich im Jahr 1536 zurück an seine leidenschaftliche Liebe zu Anna Boleyn (Geneviève Bujold), wegen der er sich von seiner ersten Frau scheiden ließ, mit der katholischen Kirche brach und die er gegen alle Widerstände zur Königin machte. Als sie ihm aber keinen männlichen Thronfolger gebärt, verliert Heinrich das Interesse an der Gattin und Anna ihren Kopf.
Anne of the Thousand Days basiert auf Maxwell Andersons gleichnamigem Broadway-Stück von 1947, dessen deutliche Thematisierung von sexuellem Begehren, Ehebruch und Inzest für das damalige Hollywoodkino zu viel des Guten war. Als der Film zwanzig Jahre später unter der Regie von Charles Jarrott entstand, hatten sich die Moralvorstellungen geändert. Außerdem hatte der legendäre Produzent Hal B. Wallis mit Becket (1963) bereits die englische Geschichte des Mittelalters beackert und Fred Zinnemann die Gestalt Heinrich VIII. in seinem Thomas Morus-Film A Man For all Seasons (1966) wiederentdeckt. Dem immensen Erfolg von Anne of the Thousand Days, dessen Kostüme mit einem Oscar ausgezeichnet wurden, ließ das Team Jarrott und Wallis mit Mary, Queen of Scots (1971) gleich noch ein weiteres königliches Enthauptungsdrama folgen. (ps)

am 18.7.2012 um 20.00 Uhr





KOSTÜMFILME
Barry Lyndon
GB/USA 1975, R: Stanley Kubrick, Kostüme: Milena Canonero, Ulla-Britt Söderlund, D: Ryan O'Neal, Marisa Berenson, Patrick Magee, Hardy Krüger, 185' Blu-ray

Der Aufstieg und Fall des irischen Landadligen Barry Lyndon, der von zu Hause fliehen muss, im Siebenjährigen Krieg auf britischer Seite gegen die Franzosen kämpft, in den Dienst der Preußen tritt, Spion und Falschspieler wird, eine reiche Gräfin heiratet und zum Schluss wieder alles verliert. Als sein lange geplanter Napoleon-Film nichts wurde, adaptierte Stanley Kubrick stattdessen den 1844 verfassten Roman von William Makepeace Thackeray und rekonstruierte dafür eine vergangene Epoche so genau wie nur irgend möglich: Gedreht wurde an Originalschauplätzen, die Oscar-prämierten Kostüme entsprachen historischen Vorbildern oder entstammten Sammlungen und Museen, die Innenaufnahmen mussten ohne elektrisches Licht auskommen, die Musik bestand aus zeitgenössischen Kompositionen, viele Szenen wurden nach Gemälden von Gainsborough und Hogarth gestaltet. Dabei schimmert nicht allein in den Schlachtszenen auch stets eine Aura der Vergeblichkeit durch. „Wir sehen die Schlösser und die Gärten des Rokoko, die Kostüme und die Uniformen, aber vor allem die Menschen und ihre Lebensformen, als hätte uns eine Zeitmaschine in die Historie zurücktransportiert. Die Welt von damals steht mit einer nie geahnten Deutlichkeit vor uns, wie zum Anfassen nahe: Kino im Zeitalter des Fotorealismus. Dieser Panoptikums-Effekt unterscheidet Barry Lyndon von allen Kostümfilmen, die es bisher gegeben hat.“ (Wilfried Wiegand, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.9.1976). (ps)

am 19.7.2012 um 19.30 Uhr (Originalfassung)
am 21.7.2012 um 19.30 Uhr (deutsche Fassung)





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Il gattopardo
Der Leopard
I 1963, R: Luchino Visconti, Kostüme: Piero Tosi, D: Burt Lancaster, Claudia Cardinale, Alain Delon, Paolo Stoppa, 185' Blu-ray, OmU

Vor dem Hintergrund der italienischen Einheitsbewegung des 19. Jahrhunderts erzählt Il gattopardo vom Absterben des Feudalismus und von der Morgenröte des kapitalistischen Zeitalters, in dem Adel, Militär und Großbürgertum eine Koalition bilden: Anstatt einer Republik entsteht eine konstitutionelle Monarchie, die die Macht- und Besitzverhältnisse konserviert. In Sizilien tritt der alte, aufrechte Fürst (Burt Lancaster) ab. Sein verarmter Neffe (Alain Delon) geht dagegen eine Geldheirat mit der Tochter eines vermögenden und aufstrebenden bürgerlichen Politikers ein. Sein Motto: Die Dinge müssen sich ändern, wenn wir wollen, dass sie bleiben, wie sie sind. Gleichzeitig wird der Aufstand der Republikaner unter Garibaldi für eine gerechtere Sozialordnung niedergeschlagen.
Von der Verfilmung des 1958 erschienenen Romans von Giuseppe Tomasi di Lampedusa hatten sich die amerikanischen Geldgeber eigentlich eine europäische Version von Gone with the Wind mit Liebeswirren in einer weltpolitischen Umbruchsituation erhofft. Zwar bietet Viscontis Film mit seinen erhabenen Landschaftsaufnahmen und Rekonstruktionen wohl auch Spektakel, doch die Stimmung und die Akzente liegen konträr zum Hollywoodfilm: Denn Visconti schuf neben einer Elegie auf das Kino auch eine so genaue wie klarsichtige, marxistisch grundierte Reflektion über Geschichte und Wandel. „Noch einmal entfaltet der Adel (...) seinen Reichtum und seinen Glanz. (...) Noch einmal breitet der Film die überwältigende Opulenz des Dekors aus, der Kostüme, des Lichts, der Accessoirs. Dann geht der Fürst allein durch die Nacht nach Hause (...) und hört die Schüsse eines Exekutionskommandos: versprengte Garibaldianer (...) werden erschossen. Die Revolution hat (noch) nicht stattgefunden.“ (Peter W. Jansen, Die Zeit, 21.9.1984). (ps)

am 20.7.2012 um 19.30 Uhr





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War and Peace
Krieg und Frieden
USA/I 1956, R: King Vidor, Kostüme: Maria De Matteis, Giulio Ferrari, D: Audrey Hepburn, Henry Fonda, Mel Ferrer, Vittorio Gassman, Herbert Lom, Anita Ekberg, 208' 35 mm, DF

Die Schilderung der Napoleonischen Kriege aus der Perspektive zweier russischer Adliger, die im Krieg die Möglichkeit sehen, ihren unglücklichen, hochkomplizierten Liebesbeziehungen, den Ausritten zur Jagd, den Herrenhäusern und Tanzveranstaltungen zu entfliehen. Mit immensem Aufwand rekonstruiert die italienisch-amerikanische Adaption von Leo Tolstois grandiosem Roman Krieg und Frieden (1868) den Russlandfeldzug Napoleons im Jahre 1812, bei dem einer der Protagonisten in Gefangenschaft gerät, den Brand von Moskau und den Untergang der „Großen Armee“. Das Resultat ist ein beeindruckender Monumentalfilm mit Audrey Hepburn an der Spitze einer internationalen Starbesetzung. Bei den Dreharbeiten in den Cinecittà-Studios bei Rom und der Darstellung der Schlachten kamen an die 8.000 Statisten zum Einsatz, und einmal mehr wurde der Vergleich mit Gone with the Wind gezogen. Der eigentlich skeptische Film-Dienst lobte: „Der kolossale Aufwand an Kostümen und Bauten, das Massenaufgebot an Menschen und Pferden werden nie zum Selbstzweck, auch die Schlachtenszenen und der Todeszug durch den russischen Winter wirken als menschliche Tragödien und Protest gegen den Krieg. Trotz der Breitwand-Effekte gibt es Szenen von großer Innigkeit. (...) Alles in allem ist dies kein Monstrefilm im üblen Sinne, sondern ein in seinen ungewöhnlichen Dimensionen interessantes und ansehnliches Werk.“ (14.2.1957). (ps)

am 22.7.2012 um 19.00 Uhr





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Dangerous Liaisons
Gefährliche Liebschaften
USA/GB 1988, R: Stephen Frears, B: Christopher Hampton nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos, Kostüme: James Acheson, D: Glenn Close, John Malkovich, Michelle Pfeiffer, Keanu Reeves, Uma Thurman, 112' 35 mm, OF

Ein Kampf der Geschlechter in wallenden Rokoko-Kostümen. Die Marquise de Merteuil (Glenn Close) wettet mit dem Vicomte de Valmont (John Malkovich), dass es ihm nicht gelingen werde, eine liebende Ehefrau zu verführen. Und schon beginnt das Ränkespiel zweier Müßiggänger, deren Witz und Intelligenz mit ihrer moralischen Verkommenheit, mit Sadismus, Kälte und Lust an der Manipulation wetteifern. Wollte Choderlos de Laclos’ 1782 am Vorabend der Französischen Revolution veröffentlichter Briefroman noch die Machenschaften des Adels im Ancien Régime bloßlegen, so erscheinen in der Verfilmung die beiden bösen Protagonisten doch allemal interessanter als die von ihnen aufs Kreuz gelegten Vertreter von Tugend, Anstand und Sittlichkeit. Das liegt auch an den großartigen Schauspielern in ihren Oscar-prämierten Gewändern. Gedreht in französischen Schlössern und Parks, zielt Dangerous Liaisons weniger auf Authentizität als auf Stilisierung, was theatralische und reflexive Momente einschließt. „Nicht um Kostüme geht es, sondern um kostümierte Gefühle; nicht um Puder und Spitzen, sondern um das, was sich damit kaschieren läßt. Die eisig verspiegelten Räume des Rokoko sind Terrarien für kaltblütige Reptilien, die gezügelte Natur der Parks bildet ein Auslaufgehege für die gebändigte Leidenschaft. (...) Die Gefühle treiben ihren Blutzoll ein, die Vernunft lacht sich ins Fäustchen.“ (Michael Althen, Süddeutsche Zeitung, 18.4.1989). (ps)

am 24.7.2012 um 20.00 Uhr





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Die Königin und ihr Leibarzt
En kongelig affære
DK/CZ/D/SWE 2012, R: Nikolaj Arcel, Kostüme: Manon Rasmussen, D: Mads Mikkelsen, Mikkel Boe Følsgaard, Alicia Vikander, David Dencik, 129' 35 mm, DF

Eine tödliche Dreiecksbeziehung. Im Jahr 1766 wird der 17-jährige König von Dänemark, Christian VII. (1749-1808), mit seiner 15-jährigen Cousine, Caroline Mathilde von Hannover (1751-1775), verheiratet. Da der junge König schon früh Zeichen einer Geisteskrankheit zeigt, wird ihm der deutsche Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772) an die Seite gestellt, der sein Vertrauen erlangt und bald daran geht, politischen Einfluss im Sinne der Aufklärung zu nehmen. Als sich die Königin in den Arzt verliebt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Die historisch verbürgte Geschichte basiert auf einem Roman von Bodil Steensen-Leth aus dem Jahr 2000 und nicht auf dem ein Jahr vorher veröffentlichten Roman Der Besuch des Leibarztes von Per Olov Enquist. Über den gleichermaßen spannend und elegant inszenierten Film, der bei der Berlinale 2012 uraufgeführt und mit zwei Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, schreibt Wenke Husmann in Zeit Online: „Die Kleider sind eine Augenfreude ohne jene absolutistischen Extravaganzen, wie sie Sofia Coppola in ihrer Marie Antoinette einst so rauschend inszenierte. Die Drehorte, für die das Team bis nach Tschechien reiste, zeigen einen Hof, der bemerkenswert intim wirkt. (...) Einmal findet ein Maskenball statt. Wir erhaschen Bilder von kostümierten Menschen und ausladenden Buffets, doch schon fokussiert die Kamera auf eine Männerhand, an die sich ganz langsam und zart die Hand Carolines schmiegt. Man tanzt Menuett, doch der Zuschauer ahnt, dass die abgezirkelten Figuren diese Leidenschaft nicht bändigen werden können.“ (18.4.2012). (ps)

am 25.7.2012 um 20.00 Uhr





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The Prestige
Prestige – Die Meister der Magie
USA/GB 2006, R: Christopher Nolan, B: Christopher und Jonathan Nolan nach dem Roman von Christopher Priest, Kostüme: Joan Bergin, D: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine, Scarlett Johansson, David Bowie, 130' 35 mm, OF

Die tödliche Rivalität der Zauberkünstler Angier (Hugh Jackman) und Borden (Christian Bale), die einst Partner waren, nun aber verfeindet sind und ihre Bühnentricks gegenseitig sabotieren, steht im Mittelpunkt von The Prestige. Angesiedelt im viktorianischen England um 1900 spielt der aufwendig ausgestattete historische Krimi genau in jener Umbruchphase, in der auch das Kino zum populären Jahrmarktvergnügen wurde und die Menschen mit seiner illusionistischen Macht in den Bann zog. Einmal mehr erweist sich Christopher Nolan als trickreicher Erzähler, der mit komplexen Stoffen und verschiedenen Zeitebenen zu jonglieren versteht, der Effekte einsetzt wie ein Magier. Auf der Suche nach dem besten Trick besucht Angier schließlich Nicola Tesla (1856-1943) in seinem Labor in den Rocky Mountains. Der von David Bowie genial gespielte Erfinder des Wechselstroms zeigt, dass Glamour viel mit Elektrizität zu tun hat: „In der schönsten Szene des Films, in der die Magie (...) zu zauberhaften Bildern führt, bringt er mit kabelloser Stromübertragung ein ganzes Schneefeld voller Glühbirnen zum Leuchten. Da bekommt man eine Ahnung davon, wie sehr die Jahrhundertwende eine Schwellenzeit zu etwas Neuem war.“ (Michael Althen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.1.2007). (ps)

am 26.7.2012 um 20.00 Uhr
am 28.7.2012 um 18.30 Uhr





KOSTÜMFILME
Elizabeth
GB 1998, R: Shekhar Kapur, Kostüme: Alexandra Byrne, D: Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Joseph Fiennes, Richard Attenborough, Fanny Ardant, Eric Cantona, 123' 35 mm, OmU

Es ist der Beginn der Herrschaft von Königin Elizabeth I. von England (1533-1603), die 1558 den Thron besteigt. Bevor unter Elizabeth ein „Goldenes Zeitalter“ anbricht und England zur Weltmacht wird, muss die junge Königin (hervorragend gespielt von Cate Blanchett) allerdings alle möglichen Intrigen überstehen, politisches Talent beweisen und sich gegen aggressive Avancen zur Wehr setzen. Der Akzent liegt weniger auf den politischen Vorgängen als auf dem Privatleben der Heldin. Einerseits wartet auch dieser Film mit prunkvollen Kostümen, mit Schlössern, Burgen und Kathedralen als Schauwerten auf. Andererseits will sich Elizabeth bewusst vom Stil der damals gängigen, etwas behäbigen englischen Kostümfilme absetzen und vertraut dem im Genre des Historienfilms unbeleckten Regisseur Shekhar Kapur aus Indien, der für Spannung und thrillerartige Momente sorgt. „Kapurs Film lebt von der Atmosphäre der Verschwörung, die über halbdunklen Räumen hängt. Er bedient sich sowohl der Bildersprache Jarmans und Greenaways als auch (...) der akustischen Lektionen eines Coppola. (...) Am Ende des Films, eineinhalb Jahrzehnte nach ihrer Krönung, hat sich Elisabeth in eine Parodie ihrer selbst verwandelt – das Gesicht weiß getüncht wie ein Pierrot, gleicht sie einem Bildwerk aus Eis.“ (Georges Waser, Neue Zürcher Zeitung, 30.10.1998). (ps)

am 27.7.2012 um 18.30 Uhr
am 28.7.2012 um 21.00 Uhr





KOSTÜMFILME
Elizabeth – The Golden Age
Elizabeth – Das goldene Königreich
GB/F/D 2007, R: Shekhar Kapur, Kostüme: Alexandra Byrne, D: Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Clive Owen, Jordi Mollà, 114' 35 mm, OmU

Elizabeth I. von England auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Anknüpfend an den Erfolg von Elizabeth (1998) erzählt Elizabeth – The Golden Age von einer gereiften Königin (wieder unübertrefflich gespielt von Cate Blanchett), die sich als emanzipierte und selbstbewusste Herrscherin erweist. Dem Druck des spanischen Königs widersteht sie ebenso wie dem Wunsch ihres Beraters, doch endlich zu heiraten und für einen Thronfolger zu sorgen. Die Konflikte spitzen sich zu, als Mary Stuart wegen Hochverrat hingerichtet wird und Spanien 1588 seine Armada gegen England schickt. Wie schon sein Vorgänger präsentiert Elizabeth – The Golden Age eine moderne, nicht primär auf Quellen gestützte Interpretation, die Elizabeth als in religiösen Dingen tolerante Herrscherin und dazu als – stets blendend aussehende – Krisenmanagerin vorstellt. Von einer „farbenfrohen Ausstattungsorgie“ schwärmt Susanne Ostwald in der Neuen Zürcher Zeitung: „Shekhar Kapur hat mit der preisgekrönten Kostümbildnerin Alexandra Byrne einen Look für die Königin entworfen, der die damalige Mode mit Kreationen des spanischen Modemachers Balenciaga kreuzt, der sich seinerseits von historischen Gemälden inspirieren ließ. Die kunstsinnige Elizabeth I. galt tatsächlich als eine Stilikone ihrer Zeit, und an den prächtigen Roben dieses Films hätte sie gewiss ihre Freude gehabt, ebenso wie an jeder der 16 eigens angefertigten Perücken – für jede Stimmung der facettenreichen Frau eine andere.“ (13.12.2007). (ps)

am 27.7.2012 um 21.00 Uhr
am 29.7.2012 um 18.30 Uhr





KOSTÜMFILME
Russki kowtscheg
Russian Ark
RUS/D 2002, R: Aleksander Sokurov, Kostüme: Maria Grishanova, Lidiya Kryukova, Tamara Seferyan, D: Sergei Dreiden, Mariya Kuznetsova, Mikhail Piotrovsky, Maksim Sergeyev, 99' 35 mm, DF

Als die große Katastrophe hereinbricht, nimmt die biblische Arche all jene Geschöpfe auf, die gerettet werden sollen. Wie verhält es sich dagegen mit der russischen Arche? Aleksander Sokurovs so kühnes wie melancholisches Filmexperiment beginnt im Jahr 1913 im Winterpalast des Zaren in St. Petersburg, wo der Marquis de Custine (Sergei Dreiden) einen Begleiter zu einem Spaziergang durch die zahllosen, mit Kunstwerken angefüllten Säle der Eremitage einlädt; ein Spaziergang durch eine Zeit, die dem Untergang geweiht ist. In einer Plansequenz, die den ganzen Film über andauert, schlendern die beiden durch die russische Geschichte von drei Jahrhunderten. In jedem Raum erwartet sie eine andere Miniatur: Mit ihnen stehen wir vor Gemälden von El Greco, Rubens und Rembrandt, begegnen Peter dem Großen, der einen General auspeitschen lässt, Zarin Katharina II., die eine Toilette sucht, dinieren mit Nikolaus II. und seiner Familie und treffen viele andere. Das hat gelegentlich eine Komik, die man vom Griesgram Sokurov gar nicht kennt. Der filmte diesen Bilderreigen nach monatelangem Proben ohne Schnitt in Echtzeit an einem einzigen Tag in der Eremitage, wo 1.000 Statisten in historischen Kostümen dem Regisseur und seinem Kameramann Tilman Büttner ein Höchstmaß an Planung und Präzision abverlangten. Zum Schluss kommen die beiden Museumsbesucher und Geschichtsflaneure wieder im Jahr 1913 an. Der eine bleibt, der andere geht. „Leben Sie wohl, Europa.“ (ps)

am 29.7.2012 um 21.00 Uhr
am 31.7.2012 um 20.00 Uhr





 

 
 
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