Carl Schmitt 1888-1985

Staatsrechtslehrer, Rechtstheoretiker

  • 1888

    11. Juli: Carl Schmitt wird als Sohn eines Kaufmanns in Plettenberg (Westfalen) geboren.

  • 1915

    Nach dem Studium der Staats- und Rechtswissenschaften in Berlin, München und Straßburg, Promotion und Habilitation an der Universität Straßburg.

  • 1921

    Berufung an die Universität Greifswald.
    Veröffentlichung der Abhandlung "Die Diktatur", in der Schmitt die staatsrechtlichen Grundlagen der Weimarer Republik untersucht und dabei die ohnehin starke Stellung des Reichspräsidenten deutlich akzentuiert.

  • 1922

    Professor an der Universität Bonn.
    In seiner Schrift "Politische Theologie" konkretisiert Schmitt seine autoritäre Staatstheorie, indem er, ausgehend von seiner katholischen Grundhaltung, letztlich die menschliche Willensfreiheit negiert.

  • 1923

    In der Zeitanalyse "Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus" rechtfertigt Schmitt die Herausbildung totalitärer Herrschaftsstrukturen.

  • 1926

    Professor der Rechte an der Handelshochschule in Berlin.

  • 1932

    Berufung an die Universität Köln.
    In der Schrift "Der Begriff des Politischen" entwickelt Schmitt seine umstrittene Staatsrechtslehre, die - von den Nationalsozialisten ideologisch ausgewertet - ihm später den Vorwurf einbringt, den "Führerstaat" vorweggenommen und rechtsphilosophisch legitimiert zu haben.
    Juli: Schmitt vertritt die Reichsregierung unter Franz von Papen, mit dem er freundschaftlich verbunden ist, gegen die suspendierte preußische Regierung Braun vor dem Staatsgerichtshof.

  • 1933

    1. Mai: Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). Ernennung zum preußischen Staatsrat durch Hermann Göring.
    November: Präsident der "Vereinigung nationalsozialistischer Juristen".

  • 1933-1945

    Professor der Rechte an der Universität zu Berlin.

  • 1934

    Juni: Ernennung zum Hauptschriftleiter des führenden Fachblatts "Deutsche-Juristen-Zeitung".
    Juli: Nach dem Röhm-Putsch rechtfertigt Schmitt die politischen Morde als "höchste Form administrativer Justiz".

  • 1936

    Oktober: Vorsitz auf einem in Berlin stattfindenden Kongreß akademischer Rechtslehrer, auf dem er fordert, das deutsche Recht von "jüdischem Geist" zu säubern.
    Dezember: Das SS-Organ "Das schwarze Korps" bezeichnet Schmitts Antisemitismus als bloße Attrappe und zitiert frühere Äußerungen von ihm, in denen er Kritik an den nationalsozialistischen Rassentheorien übt.

  • ab 1937

    Zunehmender Rückzug aus seiner exponierten Stellung als führender nationalsozialistischer Rechtsgelehrter in die "innere Emigration".

  • 1945

    Schmitt wird seines Lehramtes enthoben und verbringt mehrere Jahre in Lagerhaft.

  • ab 1950

    Wissenschaftlich isoliert und vom politischen Diskurs weitgehend ausgeschlossen, widmet sich Schmitt nunmehr besonders völkerrechtlichen Studien und veröffentlicht seine Memoiren.

  • 1985

    7. April: Carl Schmitt stirbt in seiner Geburtsstadt Plettenberg.

(dw)
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