Helen Ernst 1904-1948

Zeichnerin

  • 1904

    10. März: Helene Ernst wird in Athen als uneheliche Tochter des Sekretärs des kaiserlichen Konsulats Otto Ernst und dessen aus Niedersachsen stammenden Hausangestellten Bernhardine Ebermann geboren. Der kaisertreue Vater adoptiert seine Tochter, verstößt jedoch aus Standesgründen die Mutter. Das Kind muss ohne sie aufwachsen.

  • 1909-1921

    Ernst genießt eine gutbürgerliche Erziehung und besucht Schulen in Zürich, Stuttgart und Berlin.

  • 1921-1924

    Studium an den Berliner Kunstschulen, das sie als Zeichenlehrerin abschließt. In dieser Zeit ändert sie ihren Namen in Helen um, wobei sie viel Wert auf eine französische Aussprache legt.

  • 1922

    Prägende Begegnung mit der Mutter, die ein ärmliches Arbeiterdasein in Braunschweig fristet.

  • 1924-1931

    Ernst ist Zeichenlehrerin für Mode an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Berlin, daneben arbeitet sie als Pressezeichnerin, Grafikerin sowie Kostüm- und Modeberaterin.

  • 1929-1931

    Ehe mit dem Maler, Bühnenbildner und Schriftsteller Wolf Hildebrandt, die nach zwei Jahren geschieden wird.

  • 1930

    Im Zuge der Weltwirtschaftskrise sowie durch den Kontakt zu ihrer in ärmlichen Verhältnissen lebenden Mutter hat Ernst das Bedürfnis nach politischer Tätigkeit.

  • 1931

    Sie wird Mitglied in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und in der Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands (ASSO), arbeitet bei der Roten Hilfe mit und erstellt Zeichnungen für die "Illustrierte Rote Post".

  • 1931/32

    Bei Reisen nach Zürich sowie zur Künstlerkommune "Fontana Martina" im Tessin und nach Paris schließt sie Freundschaften mit dem Künstler Carl Meffert (1903-1988) sowie mit Lea Grundig und Hans Grundig. Außerdem entstehen Kontakte zu Hans Baluschek, Joachim Ringelnatz sowie Ernst Jünger. Ihr künstlerisches Vorbild wird Käthe Kollwitz.

  • 1933

    Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird die durch ihre Zeichnungen bekannte Kommunistin Ernst in ihrer Wohnung verhaftet, wobei ihr ganzer Besitz und ihre Zeichnungen beschlagnahmt oder zerstört werden. Sie wird im Frauengefängnis Barnimstrasse in Berlin unter "Schutzhaft" gestellt.
    2. Juni: Ernst wird entlassen und tritt eine Reise nach Prasdorf in Schleswig-Holstein an, wo sie sich an einer Flugblattaktion beteiligt.
    14. Juli: Erneut wird Ernst verhaftet, dieses Mal durch eine Denunziation. Sie wird in das Gefängnis nach Kiel gebracht.
    11.August: Sie wird entlassen, darf aber vorerst Kiel nicht verlassen.
    3. September: Rückkehr nach Berlin.

  • 1934

    Sie zieht sich nach Clatzow in Pommern zurück.
    In Dresden wird Ernst von Hans Grundig gemalt, kurz danach emigriert sie in die Niederlande.

  • 1934-1940

    Ernst wendet sich durch ihre Arbeit als Pressezeichnerin bei der Illustrierten "Vrijheid, Arbeid, Brood" unter dem Pseudonym "Skorpio" und bei "Rusland van heden", einer Zeitschrift der niederländischen Freunde der Sowjetunion, die sie mit über 600 Zeichnungen und Literaturillustrationen unterstützt, gegen das NS-Regime.

  • 1935

    Zusammen mit der Niederländerin Eva Raedt-de Canter veröffentlicht Ernst den kritischen Dokumentarroman "Vrouwengevangenis", der von ihren Erlebnissen in deutschen Gefängnissen berichtet.

  • 1936

    Ernst wird Mitglied der Künstlergruppe "De Onafhankelijken".
    1. August: Sie beteiligt sich mit zehn Arbeiten an der Kunstausstellung "De Olympiade Onder Dictatuur", die in Amsterdam als Reaktion auf die Olympischen Sommerspiele in Berlin stattfindet.

  • 1936-1940

    Lehrerin an der Nieuwe Kunstschool in Amsterdam unter dem deutsch-holländischen Maler Paul Citroen (1896-1983).

  • 1938

    Ernst unternimmt unentdeckt illegale Reisen nach Deutschland und pflegt Kontakte zu der Widerstandsgruppe um den nach Paris geflüchteten Karl Otto Paetel.

  • 1939

    Bei einer Ausstellung der Kunsthandlung Aalderink werden Werke von ihr gezeigt. Da es sich bei diesen um Porträts ihrer Freunde und Freiheitskämpfer aus Java, China, Surinam und Südamerika handelt, wird ihr wegen dem "Verstoß gegen die Belange des Deutschtums im Ausland" die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

  • 1940

    Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen wird Ernst wegen "antideutscher Hetzpropaganda" nach Deutschland deportiert.

  • 1941-1945

    Sie ist im Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück und später im Außenlager Barth in Mecklenburg inhaftiert.

  • 1945

    Ernst überlebt die sogenannten "Todesmärsche".
    1. Mai: Befreiung durch die Rote Armee.
    Sie lässt sich in Schwerin nieder.

  • 1946

    Heirat mit dem Tischler Paul Beckmann, Leiter des Landesausschusses für die Opfer des Faschismus (OdF), in dem auch Ernst als Sachbearbeiterin tätig ist.
    Anschuldigungen früherer Lagermithäftlinge bringen ein Verfahren wegen angeblicher Spitzeltätigkeit im Konzentrationslager mit sich. Ihr wird vorgeworfen, Kameradinnen an die Schutzstaffel (SS) verraten zu haben. Die Anklage überschattet ihren Versuch eines künstlerischen Neubeginns. Zudem wird ihr der OdF-Status aberkannt, weshalb sie keine Rente erthält.

  • 1948

    20. Januar: Mit Hilfe einer Bürgschaft von ihrem Freund Hans Grundig wird Ernst rehabilitiert. Erst kurz vor ihrem Tod wird sie von einem SED Landes-Parteischiedsgericht von allen Verdächtigungen freigesprochen.
    26. März: Helen Ernst stirbt in Schwerin als Folge der langjährigen Lagerhaft an Tuberkulose. Sie wird auf eigenen Wunsch in Groß Zicker auf der Insel Rügen beigesetzt.

Jana Müller
14. September 2014

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