Karl Otto Paetel 1906-1975

Journalist

  • 1906

    23. November: Karl Otto Paetel wird in Berlin als Sohn des Kaufmanns Otto Paetel und dessen Frau Wilhelmine (geb. Biel) geboren.

  • 1916-1924

    Er besucht in Berlin die Hindenburg-Realschule und die Siemens-Oberrealschule.

  • 1927

    Paetel ist Volontär und anschließend Redakteur des "Deutschen Tageblatts".

  • 1928-1930

    Er studiert Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Berliner Universität und an der Hochschule für Politik. Aus finanziellen Gründen kann er das Studium nicht beenden.
    Paetel engagiert sich in der bündischen Jugendbewegung und wird zu einem führenden Exponenten des Revolutionären Nationalismus und des Nationalbolschewismus.
    Paetel spricht sich sowohl gegen die Demokratie der Weimarer Republik als auch gegen die Ideologie der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) aus.
    Er gibt die Zeitschriften "Das Junge Volk" sowie die "Politische Zeitschriftenschau" heraus und hat enge Kontakte zur sozialistischen Jugendbewegung, für die er Flugblätter druckt.

  • 1930

    1. Januar: Paetel veröffentlicht eine Programmschrift unter dem Titel "Das Nationalbolschewistische Manifest". Das Werk wird sofort beschlagnahmt.
    Er wird Chefredakteur der von Ernst Jünger herausgegebenen bündisch-revolutionären Zeitschrift "Die Kommenden".
    Dezember: Paetel gründet die Gruppe "Sozialrevolutionärer Nationalisten".

  • 1931-1933

    Er vertreibt die Zeitschrift "Sozialistische Nation".

  • 1933

    März: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhält Paetel Schreibverbot und wird fortan wegen fortgesetzter publizistischer Tätigkeit mehrmals verhaftet.

  • 1935

    Gegen ihn wird ein Prozeß wegen Vergehens gegen das "Heimtückegesetz", welches selbst mündliche Kritik am NS-Regime unter Strafe stellt, eröffnet. Dem Prozeß entzieht er sich durch Flucht in die Tschechoslowakei.
    In Prag wird er Mitarbeiter der "Neuen Weltbühne".

  • 1936

    Er emigriert nach Stockholm. Von dort flieht er über Brüssel weiter nach Paris. Die Stadt ist zu diesem Zeitpunkt Zufluchtsort für Künstler und Intellektuelle aus Deutschland.
    Zwischendurch hält er sich mehrmals illegal in Deutschland auf, um bei der Organisation des Widerstands gegen Adolf Hitler zu helfen.

  • 1936-1939

    Paetel lebt in Paris und gibt dort die "Blätter der Sozialistischen Nation" heraus.
    Er bemüht sich um eine Synthese von revolutionärem Nationalismus und Sozialismus, da er an die Möglichkeit glaubt, extrem linke und rechte Ansichten zu verschmelzen. Durch Kontakte zu illegalen bündischen Gruppierungen in Deutschland versucht Paetel die Hitler-Jugend (HJ) zu unterwandern.

  • 1937

    In Paris lernt er Ernst Niekisch und Harro Schulze-Boysen kennen.

  • 1939

    17. April: Paetel wird die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.
    September: Paetel verläßt bei Beginn des Zweiten Weltkriegs Paris und wohnt in einem Vorort.

  • 1940

    Mai: Er wird in Paris von französischen Polizeieinheiten verhaftet und interniert. Nach einem Monat gelingt ihm die Flucht nach Südfrankreich.
    Mai-Juni: Der Frankreichfeldzug der deutschen Wehrmacht zwingt ihn endgültig zur Flucht aus Europa. Für kurze Zeit hält er sich in Marokko auf.

  • 1941

    3. Januar: Paetel emigriert nach New York und arbeitet dort als Publizist und Korrespondent.

  • 1943

    Paetel heiratet seine jüdische Verlobte, die Sozialistin Elisabeth Zerner.

  • 1947/48

    Er ist Herausgeber der Monatszeitschrift "Deutsche Gegenwart". Sein journalistisches Thema in diesen Jahren ist eine Biographie Jüngers.

  • 1949

    Paetel veröffentlicht "Ernst Jünger. Die Wandlung eines deutschen Dichters und Patrioten".

  • 1952

    Paetel wird amerikanischer Staatsbürger.

  • 1956-1958

    Er gehört zu den Gründern des "Deutschen Presseklubs" in den USA und steht diesem als Geschäftsführer vor.

  • 1959-1973

    Paetel ist Geschäftsführer des journalistischen "Deutschen Forums".
    Für seinen Einsatz um die Völkerverständigung und eine differenzierte Sicht auf die jüngste deutsche Vergangenheit wird er vom "Internationalen Deutschen Presseklub" geehrt.

  • 1965

    Er veröffentlicht "Versuchung oder Chance? Zur Geschichte des deutschen Nationalbolschewismus".

  • 1975

    4. Mai: Karl Otto Paetel stirbt in New York.

  • 1982

    In der Bundesrepublik Deutschland erscheint seine Autobiographie "Reise ohne Uhrzeit", eine Untersuchung zur Entstehung der NS-Diktatur und zu seinen eigenen Irrwegen als "Außenseiter zwischen den politischen Fronten".

mü/Arnulf Scriba
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