Nikolai Bersarin 1904-1945

Militär

  • 1904

    1. April: Nikolai Bersarin wird in St. Petersburg (Rußland) als Sohn des Schlossers Eraston Bersarin geboren.

  • 1914

    Juli: Beginn einer Buchbinderausbildung.

  • 1918

    Oktober: Bersarin tritt als Freiwilliger in die Rote Armee ein.

  • 1920/21

    Beteiligung an Kämpfen gegen englische Interventionstruppen in Nordrußland und an der Niederschlagung des Kronstädter Aufstands.

  • 1921-1923

    Teilnahme an militärischen Lehrgängen und Ausbildungskursen.

  • 1923

    Auf eigenen Wunsch wird Bersarin als Kommandeur nach Sibirien versetzt.

  • 1925

    Er heiratet Natalja Prosinjuk. Aus der Ehe gehen zwei Töchter hervor.

  • 1925/26

    Offizierslehrgänge in Moskau.

  • 1926

    Eintritt in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU).

  • 1927-1933

    Kommandeur einer Ausbildungseinheit für Offiziere im sibirischen Irkutsk.

  • 1933-1940

    Bersarin ist im Stabsdienst und als Kommandeur verschiedener Schützendivisionen in Sibirien tätig.

  • 1938

    August: Japanisch-sowjetischer Grenzkonflikt im Gebiet des Chassan-Sees. Die unter Bersarins Kommando stehende 32. Schützendivision hat bedeutenden Anteil an der Abwehr des japanischen Angriffs. Bersarin wird mit dem Rotbannerorden, einem der höchsten militärischen Orden in der Sowjetunion, ausgezeichnet.

  • 1940/41

    Im Rang eines Generalmajors ist er Stellvertretender Oberkommandierender der 1. Armee im Fernen Osten.

  • 1941

    Mai: Aus familiären Gründen übersiedelt Bersarin nach Riga (Lettland). Er wird Oberkommandierender der 27. Armee, die nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion gegen die Truppen der Heeresgruppe Nord der Wehrmacht kämpft.

  • 1943

    März-August: Lazarettaufenthalt nach schweren Verwundungen bei den Kämpfen um Wjasma.

  • 1944

    Mai: Ernennung zum Oberbefehlshaber der 5. Stoßarmee.
    August: Bersarins Truppen durchbrechen die deutsche Linie am Djnestr. Er erhält dafür den Leninorden und wird zum Generaloberst befördert.

  • 1945

    Januar: Gemeinsam mit den Truppen von Marschall Georgi K. Schukow überquert er die Weichsel südlich von Warschau. Unter Führung von Bersarin und Schukow wird Polen befreit und der Sturm auf die Reichshauptstadt Berlin eingeleitet.
    22. April: Die 5. Stoßarmee erreicht den östlichen Berliner S-Bahn-Ring und das östliche Spreeufer.
    24. April: Bersarin wird von Schukow zum ersten Stadtkommandanten von Berlin ernannt.
    1. Mai: Er wird mit dem Titel "Held der Sowjetunion" geehrt.
    11. Mai: Bereits wenige Tage nach der deutschen Kapitulation stellt Bersarin für Berlin eine Stadtpolizei auf.
    19. Mai: Er führt den ersten Nachkriegsmagistrat von Groß-Berlin unter Leitung des Oberbürgermeisters Arthur Werner (1877-1967) ins Amt ein. Bersarin sorgt für den schnellen Aufbau einer Stadtverwaltung und für die Wiederherstellung des Gesundheitswesens. Für eine bessere Versorgung der Menschen mit Grundnahrungsmitteln setzt er Andreas Hermes als Leiter des Zentralen Ernährungsamts ein.
    Juni: Der Theaterliebhaber Bersarin trifft sich mit deutschen Schauspielern und Regisseuren, u.a. mit Heinrich George, Gustaf Gründgens und Paul Wegener. Sein Wunsch ist eine möglichst schnelle Wiedereröffnung von Theatern und eine Erneuerung des kulturellen Lebens, um den Menschen im zerstörten Berlin ein Stück Normalität zu schaffen.
    16. Juni: Nikolai Bersarin verunglückt in Berlin mit seinem Motorrad tödlich.

  • 1946

    16. Mai: Der Baltenplatz im östlichen Stadtzentrum wird am ersten Jahrestag der Befreiung Berlins in Bersarinplatz umbenannt.

  • 1975

    2. Mai: Bersarin wird postum die Ehrenbürgerschaft von Ost-Berlin verliehen.

  • 1992

    Oktober: Nach der Deutschen Einheit wird er nicht in die Gesamtberliner Ehrenbürgerliste übernommen.

  • 2003

    11. Februar: Der Berliner Senat aus Sozialdemokratischer Partei Deutschlands (SPD) und Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) beschließt die Ernennung Bersarins zum Ehrenbürger der Stadt. Zuvor gab es eine jahrelange Kontroverse von Gegnern und Befürwortern der Ehrenbürgerwürde für Bersarin, dessen Verdienste für die Infrastruktur, Kultur und Religion im zerstörten Berlin unmittelbar nach Kriegsende von Vielen hervorgehoben werden. Kritiker einer erneuten Ehrung erkennen darin eine kaum herausragende Pflichterfüllung eines Stadtkommandanten und verweisen auf Bersarins Tätigkeit für das diktatorische Regime von Josef W. Stalin.

mü/Arnulf Scriba
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