Willy Birgel 1891-1973

Schauspieler

  • 1891

    19. September: Wilhelm Maria (Willy) Birgel wird als Sohn des Goldschmieds und Graveurs Johann Heinrich Birgel und seiner Frau Henriette (geb. Dreyers) in Köln geboren.

  • ab 1910

    Nach einer Lehre bei seinem Vaters, der ihn für die Nachfolge an der Spitze des Betriebs vorsieht, studiert er an der Städtischen Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Köln. Währenddessen spielt er heimlich in ersten Komparsenrollen am Kölner Theater, statt sein Kunst-Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie nach dem Willen seines Vaters fortzusetzen.

  • 1912

    Erste größere Bühnenrolle in dem Volksschauspiel "Heimgefunden" am Kölner Schauspielhaus.
    Er kann seinen Vater von seinen Plänen überzeugen und nimmt mit dessen Unterstützung Unterricht an der Schauspielschule in Köln.

  • 1913

    Heirat mit der Schauspielerin Carola Cajetan. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.

  • ab 1913

    Engagement am Stadttheater Bonn, wo er u.a. zusammen mit Eugen Klöpfer (1886-1950) spielt. Weitere Auftritte hat er in Dessau und Koblenz.

  • 1914-1918

    Im Ersten Weltkrieg leistet er Kriegsdienst bei der Artillerie in Serbien, wo er verwundet wird, und nach seiner Genesung in der Divisions-Fernmeldeabteilung an der Westfront.

  • ab 1919

    Nach Kriegsende geht Birgel zum Stadttheater Aachen.

  • 1924-1936

    Er schließt sich dem Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters an und entwickelt sich zum populärsten Akteur dieser Bühne. Seine größten Erfolge feiert er hier als Faust, Mephisto, Franz Moor, Hamlet und Richard III.

  • 1934

    Birgel ist in seiner ersten Leinwandnebenrolle in Paul Wegeners "Ein Mann will nach Deutschland" zu sehen. Er spielt einen englischen Offizier, der sich im Ersten Weltkrieg dagegen sträubt, ein Lager mit internierten Deutschen zu bewachen.

  • ab 1934

    Neben seiner ersten Hauptrolle in "Fürst Woronzeff" erhält er fortan zahlreiche Filmrollen bei der Universum-Film-AG (Ufa) und verkörpert darin zumeist den Charakter des ritterlichen Aristokraten und Grandseigneurs. Er spielt in Unterhaltungsfilmen an der Seite von bekannten Persönlichkeiten wie Gustaf Gründgens und Heinrich George in "Das Mädchen Johanna" (1935) oder Zarah Leander in "Zu neuen Ufern" (1937). Als Prototyp des gepflegten und kultivierten Deutschen paßt Birgel in die propagandistischen Filme des NS-Regimes, darunter "Unternehmen Michael" (1937), "Feinde" (1940) und "Kameraden" (1941).

  • 1937

    Von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels wird er zum "Staatsschauspieler" ernannt. Gelegentlich spielt Birgel weiterhin an Theatern, vor allem an der Berliner Volksbühne, das von seinem Freund Eugen Klöpfer geleitet wird, und feiert bei seinem treuen Publikum Triumphe.

  • 1940

    Heirat mit der Schauspielerin Charlotte Michael. Mit ihr hat er eine Tochter.

  • 1941

    Die Hauptrolle in "...reitet für Deutschland" unter der Regie von Arthur Maria Rabenalt (1905-1993) trägt ihm das Image als "Herrenreiter des deutschen Films" ein. Der Film handelt von einem Rittmeister, der nach schicksalhaften Rückschlägen seine und die "deutsche Ehre" beim Turnier um den "Großen Preis von Europa" wiederherstellt. Von der Filmprüfstelle erhält der Film das Prädikat "staatspolitisch besonders wertvoll".

  • 1945-1947

    Die Alliierten erteilen Birgel nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein zeitweiliges Aufführungs- und Spielverbot, da er zuvor in Propagandafilmen mitwirkte.

  • ab 1947

    Durch Regisseur Harald Braun (1901-1960) und Produzent Erich Pommer (1889-1966) erhält Birgel in "Zwischen gestern und morgen" seine erste Rolle in der Nachkriegszeit und kann in der Folge an seine erfolgreiche Schauspielkarriere anknüpfen. Er spielt u.a. mit Hans Albers in "Vom Teufel gejagt" (1950) und ist in den fünfziger Jahren einer der meistbeschäftigten deutschen Filmschauspieler. Vor allem für den klassischen Heimatfilm verkörpert er weiterhin meist Charaktere, die dem ehemaligen Rollentypus entsprechen - nun in Form des gereifteren Herren oder des Charmeurs der alten Schule, aber auch als Vaterfigur.

  • 1955

    Sein erster und einziger Regieversuch mit dem Film "Rosenmontag" wird ein Misserfolg, und er beschließt, sich ausschließlich der Schauspielerei zu widmen.

  • ab 1959

    Birgel wendet sich wieder stärker dem Theater zu, erhält ein Engagement am Züricher Schauspielhaus und gibt viele Bühnen-Gastspiele, u.a. als Wallenstein, Philipp II. und Julius Caesar. Außerdem ist er in zahlreichen Fernsehfilmen, -serien und Aufzeichnungen von Theateraufführungen zu sehen.

  • 1960

    Er wird mit dem Bambi ausgezeichnet.

  • 1964

    Birgel erhält das Filmband in Gold.

  • 1965

    In seiner letzten Filmrolle als alternder Jagdschriftsteller in Peter Schamonis (geb. 1934) "Schonzeit für Füchse" beweist Birgel, daß er ironisch mit seinem eigenen Image umgehen kann.

  • 1966

    Birgel erhält den Bundesfilmpreis für seine langjährige und erfolgreiche Arbeit für den deutschen Film. Über 60 Mal war er seit 1934 auf der Leinwand zu sehen.

  • 1968

    Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Charlotte.

  • 1973

    29. Dezember: Willy Birgel stirbt an Herzversagen in Dübendorf bei Zürich.

(ch)
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