
Rita Azevedo Gomes‘ bekanntester, im europäischen 16. Jahrhundert angesiedelter Film ist frei von Schemata und zugleich voller Gegensätze: Mann – Frau, Krieg – Frieden, Absenz – Präsenz. Die titelgebende Portugiesin befindet sich eigentlich auf Hochzeitsreise mit ihrem Gemahl Von Ketten und dessen Entourage. Doch statt diese fortzusetzen, zieht ihr Mann, wie er es von jeher gewohnt ist, zu Felde. Sein Feind ist der Bischof von Trient, die Gelegenheit scheint günstig, ihn zu schlagen. Seine Gemahlin hingegen wird mit ihrem Hofstaat in eine karge Burg verfrachtet. Jahre des Wartens beginnen, der Langeweile und des leisen Protests gegen die Prinzipien, die die Männerwelt prägen. Solange Krieg herrscht, herrscht Ordnung, so lautet deren Credo.
Dem starren Gedankengebäude entsprechen die von Acácio de Almeida wie Hochrenaissancegemälde komponierten Bildkader. Es scheint kein Entkommen aus ihrem strengen Raster zu geben. Und doch werden die digitalen, bis in die hintersten Areale detailreichen Guckkastenbilder von unkontrolliertem Leben durchkreuzt und zwar immer dann, wenn die deutsche Schauspielerin Ingrid Caven – eine Lieblingsdarstellerin Azevedo Gomes‘ – divenhaft durch Burgen, Wiesen und Wälder tänzelt und Lieder singt, die nicht dieser Welt angehören. Cavens Figur ist ein Geist, von dem die anderen Figuren keine Notiz nehmen. Ein Geist, der, voll Pathos und enthoben jeglicher Raumzeit, das Leid der Heldin besingt. (ts)
A Portuguesa
- PT 2018
- DCP
- OmeU
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R: Rita Azevedo Gomes, B: Agustina Bessa-Luís, Rita Azevedo Gomes nach einer Novelle von Robert Musil, K: Acácio de Almeida, D: Clara Riedenstein, Marcello Urgeghe, Ingrid Caven, Pierre Léon, Rita Durão, Luna Picoli-Truffaut, João Vicente, Luís Lucas, Manuela de Freitas, Maria Carré, 136‘