
Unverkennbar prägen Gomes’ Nähe zum Theater und ihre Erfahrungen als Szenenbildnerin diese Adaption von Barbey d’Aurevillys Les Diaboliques (1874). Der wohlhabende, chronisch gelangweilte Libertin Roberto glaubt, in der Begegnung mit einer Prostituierten nur eine weitere flüchtige Episode seines müßigen Daseins zu erleben. Doch die Frau entpuppt sich als die verschollene Herzogin von Sierra Leone und eröffnet ihm in einer Erzählung in der Erzählung die tödlichen Intrigen ihres Ehemanns sowie ihre geplante Vergeltung.
Die Filmbilder von A Vingança de Uma Mulher stehen wie streng komponierte Tableaus – opulent und karg zugleich. Sie schaffen eine emotionale Zurückhaltung, die den gesamten Film prägt. Bewusst legt Gomes das Inszenierte offen: Ein Erzähler trägt Robertos Vorgeschichte vor, das Manuskript wie ein Soufflierbuch in den Händen; Figuren schreiten durch bemalte Prospekte und zwischen künstlichen Bäumen. Die Illusion wird nicht verborgen, sondern ausgestellt – auch durch eine anachronistische Filmmusik. Gomes selbst bemerkt zu dieser bewussten Dissonanz: „Suddenly, it turns into something composed, the composition is needed to get there. I think that cinema has a lot to do with this idea: it's like music, it needs to be composed, to put some things together with others.” (Comparative Cinema, 1.3.2013). (juf)
Esther Buss ist freischaffende Autorin und Filmkritikerin. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf essayistischen und metareflexiven Formen des Filmemachens.
A Vingança de Uma Mulher
- PT 2012
- DCP
- OmeU
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R: Rita Azevedo Gomes, K: Acácio de Almeida, B: Jules-Amédée Barbey d’Aurevilly, Rita Azevedo Gomes, D: Rita Durão, Fernando Rodrigues, Hugo Tourita, Duarte Martins, 100’