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Zu Gast: Rita Azevedo Gomes

Am Anfang ein Resümee. Rita Azevedo Gomes, ihr Lieblingsschauspieler Pierre Léon und der 2022 verstorbene Philosoph, Kunst- und Filmtheoretiker Jean-Louis Schefer lassen im Freien, vor einem Baum sitzend, eine gemeinsame Erkundungsreise Revue passieren, die, so Schefer, Freundschaften hat entstehen lassen. Es ist nur konsequent, dass diese Sätze fallen, bevor wir überhaupt an einer Reise teilhaben, denn der gedankliche Austausch der Drei kommt auch im Folgenden zu keinem (Ab-)Schluss. 

Vielmehr umkreist Danses macabres, squelettes et autres fantaisies in der Tradition des Essayfilms seine Gegenstände. Welchen Sinn kann man heute noch den titelgebenden Totentanzbildern des 15. Jahrhunderts und den altsteinzeitlichen Höhlenmalereien abringen? Die nach einem streng analytischen Unterfangen klingende Frage ist in erster Linie Anlass für eine Expedition durch Europa und ins Reich der Sinne. Wie die zugleich weltzugewandten wie wortschweren Filme von Rita Azevedo Gomes gleitet auch Schefer beim Betrachten von Objekten von feingliedrigen Beobachtungen zu abstrakteren Sphären hinüber. Ist er nicht in Aktion, filmt ihn die Kamera in seinem Arbeitszimmer. Sie interessiert sich weniger für das, was Schefer schreibt, als dafür, wie ein alter Mann, über sein Notizbüchlein gebeugt, dasitzt, wie er eine Zigarette in seiner Hand hält. Jenseits aller Intellektualität ist Azevedo Gomes‘ Kino auch Körperkino. (ts)

Danses macabres, squelettes et autres fantaisies