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Es ist eine Geschichte weiblicher Selbstermächtigung, die dieser Film erzählt, der den verzweifelten Hollywood-Melodramen eines Douglas Sirk nähersteht als dem deutschen Kintopp jener Ära. Die Schauspielerin Katja hat ihren Beruf aufgegeben und den Industriemagnaten Fleming geheiratet, doch die Verbindung ist lieb- und kinderlos geblieben. Als sie den Avancen Johns, eines angehenden deutsch-amerikanischen Autors, nachgibt und auf die Bühne zurückkehrt, kommt es zum Eklat zwischen den Eheleuten. Sie verlasse ihn, teilt Katja Fleming mit, er werde es gar nicht merken, dass ein Gegenstand in seiner Wohnung fehle. 

Der titelgebende gläserne Turm ist ein imposantes Hochhaus, das die leere Pracht der Wirtschaftswunderzeit versinnbildlicht. Fleming hat es erbaut und thront im obersten Stock in einem Apartment, das für Katja längst zu einem Gefängnis geworden ist. Die Wohnung, sagt John, erinnere an „ein Treibhaus oder eine Kühlhalle, immer an eine forcierte Temperatur“ – eine Formulierung, die wohl nicht zufällig auf den Roman Das Treibhaus (1953) anspielt, dessen Verfasser Wolfgang Koeppen am Drehbuch mitarbeitete.

Das Ergebnis ist ein außergewöhnlicher Film, bei dem man aus dem Staunen kaum mehr herauskommt: Da werden Gehirnströme vermessen, unter Narkose therapeutische Sitzungen abgehalten und Beauty-Produkte aus Arsen eingenommen – ein toxisches Sehvergnügen quasi, das zugegeben ein wenig vorhersehbar im Gerichtssaal endet. (mo)

Der gläserne Turm

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