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Am Klavier: Richard Siedhoff
Zu Gast: Rita Azevedo Gomes

Ein romantisches Märchen, eine Parabel von der Macht der Liebe über alle Grenzen hinweg: Eine junge Frau (Lil Dagover) verliert ihren Geliebten (Walter Janssen) an den schwarzummantelten Tod (Bernhard Goetzke). Dieser führt sie, magisch eine riesige Mauer überwindend, in einen Raum voller Kerzen. Hier brennen die Lebenslichter der Menschen, die der Tod bald zu sich holt. Wenn es der Frau gelänge, wenigstens eine der drei schon weit heruntergebrannten Kerzenfeuer, und damit eines der Menschenleben, zu bewahren, dürfte ihr Geliebter aus dem Totenreich zu ihr emporsteigen. Was expressionistisch, mythisch schwer beginnt, wandelt sich zu einem Abenteuerfilm, dessen Studioarchitektur, Ideenreichtum und Massenszenen die Grenzen des Machbaren im frühen Weimarer Kino ausloteten. 

Fritz Langs Der müde Tod entführt uns im Geiste des zeitgenössischen Exotismus in drei unterschiedliche Epochen und Kulturen, beginnend im fernen Orient über das frühneuzeitliche Italien der Medici hin zum kaiserlichen China. In prächtig viragierten Bildern und entlang kreativ gestalteter Texttafeln entspinnt sich der Kampf um Leben und Tod. Wird das junge Paar am Ende vereint? Lässt sich das Schicksal besiegen? Oder scheidet es unverhandelbar zwischen Lebenden und Toten, so wie es die Schlachtfelder des erst wenige Jahre vor Filmstart zu Ende gegangenen Ersten Weltkrieges taten? (ts)

Richard Siedhoff ist Musikwissenschaftler, Stummfilmpianist und Komponist.

Der müde Tod