
Harald Reinl ist heute in erster Linie für seinen Beitrag zu den großen Kinoreihen des BRD-Mainstreamkinos der 60er Jahre bekannt: für seine Gruselkrimis nach Edgar Wallace, die Karl-May-Western sowie die Actionstreifen um den Superschurken Dr. Mabuse. Dass Reinl in den Fünfzigern einer der führenden Heimatfilmer war und Anteil daran hatte, dass die Nachkriegsfilmindustrie mit einem genuin heimischen Genre, das im Ausland so keine Konkurrenz hatte, wieder auf die Beine kam, ist weniger bekannt. Unter den komödiantischen Heimatfarbfilmen ist Die Fischerin vom Bodensee sicherlich sein schönster. Das liegt nicht zuletzt an der so präzisen wie farbprächtigen Kinematografie von Ernst W. Kalinke (1918-1992), mit dem Reinl hier erstmalig zusammenarbeitet und der später bei vielen seiner Klassiker hinter der Kamera stand.
Der Schauplatz machte es Regie und Kamera leicht, hält der Bodensee doch sowohl Wasser als auch Berge, Luxusvillen wie auch Dorfhütten, Trachten und Renn-Yachten bereit. Die Geschichte um eine arme, schöne Fischerin, die durch allerlei Irrungen und Wirrungen zu Reichtum und Liebesglück gelangt, kam aufgrund ihrer rustikalen Komik bei der Freiwilligen Kontrolle der Filmwirtschaft (FSK) nicht gut an: „wo das Bild nur irgendwie Anlaß bietet – [ist der Film] gespickt mit Ausdrücken, die ins Laszive spielen und das Ehe- und Familienleben in einer negativen Weise (…) charakterisieren.“ Freigabe ab 16 Jahren – und das für einen Heimatfilm! (ts)
Die Fischerin vom Bodensee
- BRD 1956
- 35mm
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R: Harald Reinl, B: Karl Heinz Busse, Harald Reinl, K: Ernst W. Kalinke, M: Ralph Maria Siegel, Franz Winkler, Ernst Neubach, D: Marianne Hold, Gerhard Riedmann, Annie Rosar, Joe Stöckel, Josef Egger, Rudolf Bernhard, Isa Günther, Jutta Günther, Loisl Blank, 91‘