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Einführung: Florian Wüst ∙ Zu Gast: Kerstin Bastian

„Dies ist nun ein Film über Alltägliches in einer unbeabsichtigten Zeit.“ Zu Beginn ihres an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ entstandenen, im Dezember 1989 auf 16mm gedrehten Zeitporträts Die Männer der „Vereinten Kraft“ verliest Kerstin Bastian einen Brief an ihren Freund Milan. „Aber es war wichtig,“ heißt es darin weiter, „dass Du und Deine Freunde, die durch Dich auch meine sind, so viel und nah miteinander waren.“ Die Freunde: Milans Arbeitskollegen Micha, Moritz, Otto und Willi im Heizkraftwerk Mitte zwischen Köpenicker Straße und Spree.

Bastian zeigt sowohl die Unsicherheit als auch die Bodenständigkeit der Männer inmitten des sich abzeichnenden Zusammenbruchs der DDR. Sie fragt und kommentiert nicht nur aus dem Off, sondern begibt sich immer wieder neben ihre Protagonist*innen vor die Kamera. Eingeschnitten in den Arbeitsalltag und die privaten Gespräche finden sich Momente des Zeitgeschehens. Die Männer der „Vereinten Kraft“ endet mit der Silvesternacht 1989/90 am Brandenburger Tor. Die Kraftwerker fahren Schicht, hören im Radio von der Katastrophe der eingestürzten Videowand, über deren Gerüst zu viele Menschen bis zur Quadriga hochgeklettert waren. Was bleibt, sind Müll und Scherben entlang der Straßenrinne. (fw)

Florian Wüst ist freischaffender Filmkurator, Verleger und Dozent. Für das Museum Nikolaikirche der Stiftung Stadtmuseum Berlin kuratierte er die Ausstellung Heute noch, morgen schon. Filmische Perspektiven auf Berlin um 1990 (2025/26). In diesem Zusammenhang wurde Die Männer der „Vereinten Kraft“ auf Basis einer alten Videoabtastung digitalisiert und erstmals seit Jahrzehnten wiederaufgeführt.

Die Männer der „Vereinten Kraft“