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Eine Frau (Anne Ratte-Polle) ringt, von einem Vorhang halb verdeckt, mit ihren Emotionen. Sie schreitet ins Wohnzimmer, sagt, sie halte diese Art zu leben nicht mehr aus, moniert, dass er (Frank Giering) nur daliege und lese, nie das Haus verlasse, nie für sie zwei einkaufe. Während die vorwurfsvollen Sätze aus ihr hervorquellen, fokussiert die Kamera das angespannte Gesicht der jungen Frau. Er bleibt passiv. 

Schon mit dieser beengt entrückten Eröffnungssequenz ist klar: Dieses Kammerspiel spielt in einer eigenen Welt, spricht eine Sprache, die mit Alltäglichkeit nur bedingt zu tun hat. In Die Nacht singt ihre Lieder drücken sich die Menschen akzentuierter aus, benutzen Wörter und vollziehen Wendungen, die in dieser Dichte eher der Literatur, der geschriebenen Sprache, eigen sind. Als „anti-psychologisch“ und „steif unbeholfen“ hat die Presse Romuald Karmakars Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von Literaturnobelpreisträger Jon Fosse dereinst bezeichnet – ein Missverständnis. 

Die Geschichte einer Liebe am Endpunkt, irgendwo in Berlins „bester Lage“, ist voller Gefühle. Ein streng gebautes Melodram in der Tradition der düsteren Deutschlandreigen von Sohrab Shahid Saless. (ts)

Die Nacht singt ihre Lieder

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