Jump directly to the page contents

Urdeutsche Sage in Ultrascope: Artur Brauners Pläne einer Neuverfilmung der Nibelungen reichen in die 1950er Jahre zurück, doch erst Mitte der 60er hatte der Gründer und Produzent der CCC mit Harald Reinl einen ebenso unerschrockenen wie an Schauwerten interessierten Genrefilmer gefunden, der das Mammutprojekt – die bis dahin teuerste Produktion Nachkriegsdeutschlands – als Kino-Zweiteiler realisieren konnte. Für Reinl war es wohl die größte Herausforderung seiner Karriere. Nicht zuletzt, da er andere Wege als Fritz Lang ging. Reinl setzt dem graphischen, von der Formenklarheit des Art déco geprägten Studiofilm der Zwanzigerjahre grelle Farbakkorde entgegen und inszeniert mit jugoslawischen Felsmassiven und isländischen Geysiren erhabene Naturkulissen. 

Der erste Teil erzählt vom vermeintlich unverwundbaren Drachentöter Siegfried, der den sagenhaften Schatz der Nibelungen birgt, Kriemhild heiratet und den Intrigen am Burgunderhof erliegt. Während der schauspielunbedarfte Sportler Uwe Beyer seiner Siegfried-Figur viel Kindliches beigeben darf, ist Karin Dors Figur der von Kriemhilds Bruder Gunther mit Siegfrieds Hilfe eroberten Brunhild eine der Close-Ups, wie sie strenger nicht hätten sein können. Die Nibelungen ist von Reinls Stammkameramann Ernst W. Kalinke bis ins Kleinste durchkomponiertes Ausstattungs- und Fantasykino, das zwar dem Kinozeitgeist gefühlt zehn Jahre hinterherhinkt, es aber künstlerisch mit den vorangegangenen Genreklassikern aus Italien und Übersee aufnehmen kann. (ts)

Die Nibelungen