
Ausgerechnet Lex Barker, den immer etwas arg properen Old Shatterhand aus Harald Reinls Karl-May-Filmen, nimmt dieser 1967 mit auf seinen vielleicht wildesten Trip. Die Schlangengrube und das Pendel basiert sehr lose auf Motiven aus dem Werk Edgar Allan Poes und ist als eine Art Rutschbahn in Richtung Wahnwitz konstruiert: Befinden wir uns zunächst noch in einer adretten Mittelalterwelt, betreten wir alsbald an der Seite Barkers und dessen Gefährten auf der Suche nach dem mysteriösen Grafen Regula einen Zauberwald, in dem Leichenteile von den Bäumen wachsen. Schließlich landen wir in einem außerweltlich schimmernden Kellerlabyrinth.
Die Schlangengrube und das Pendel ist ein Meisterstück in Sachen antirealistischem Produktionsdesign, das insbesondere in seiner exaltierten Farbgestaltung nicht nur an Roger Cormans Poe-Zyklus, sondern auch an den italienischen Genregroßmeister Mario Bava denken lässt. International gehört Reinls exzentrische Pulpfantasie heute zu den bekanntesten deutschen Genrefilmen der 1960er Jahre. Der englischsprachige Verleihtitel The Torture Chamber of Dr. Sadism verspricht in bester Exploitation-Tradition freilich mehr, oder zumindest etwas völlig anderes, als der Film dann einlöst. (lf)
Die Schlangengrube und das Pendel
- 1967 BRD
- DCP
-
R: Harald Reinl, B: Manfred R. Köhler, K: Ernst W. Kalinke, D: Lex Barker, Karin Dor, Christopher Lee, Karl Lange, Christiane Rücker, 80’