
Reinls Kino ist ein Männerkino: agile, souveräne Helden und mitreißende Abenteuer-, Western- und Krimi-Stoffe, die Jungs und junggebliebene Männer adressieren. Eine Ausnahme bildet neben seinen Heimatfilmen ein Filmzyklus, der in Zusammenarbeit mit Christine Kaufmann (1945-2017) ebenfalls in den 1950er Jahren entstand. Kaufmann avancierte nach Reinls erfolgreichem Melodram Rosen-Resli (1954) zum Kinderstar. Zwei weitere Filme unter seiner Regie folgten: Der schweigende Engel, ebenfalls 1954, und Ein Herz schlägt für Erika (1956).
Wie bereits in Rosen-Resli spielt Kaufmann in Ein Herz schlägt für Erika mit Piepsstimme und Kulleraugen ein gutherziges Waisenkind. Die erfolgreiche, jedoch einsame Bauunternehmerin Anna Hartwig verguckt sich in Erika, als sie im Waisenhaus nach einer Adoptivtochter sucht. Erika hat allerdings nicht weniger als drei Brüder, die sich ebenfalls nach einer Mutter sehnen. Probleme gibt es außerdem in Annas Baufirma, denn ihr Bruder Karl leidet darunter, dass seine ältere Schwester statt seiner die Firma leitet, und nun taucht also auch noch ein Mädchen auf, das ihm das Erbe streitig machen könnte … Reinls häusliches Drama nach Vorbild des US-amerikanischen woman’s film gewährt auch Blicke auf eine Stadt und ihre Bautätigkeit. Ein Herz für Erika ist nicht zuletzt ein Wirtschaftswunder-Film. (ts)
Ein Herz schlägt für Erika
- BRD 1956
- 35mm
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R: Harald Reinl, B: Maria Osten-Sacken, K: Erich Claunigk, M: Lothar Brühne, D: Grethe Weiser, Christine Kaufmann, Ingrid Stenn, Helmuth Schneider, Gert Fröbe, Wolfgang Büttner, Elvira Schalcher, 92‘