Jump directly to the page contents
Einführung: Frederik Lang

Glutmensch ist ein Farbenfilm. In den künstlich leuchtenden Tönen einer Stummfilmvirage, in Blau, Grün, Rot, Violett und Sepia, hat Jonatan Briel die (auch aus Kostengründen) in Schwarz-Weiß gedrehten Aufnahmen vom Leben Friedrich Hebbels einfärben lassen. Den 18. März 1863, seinen 50. und letzten Geburtstag, verbringt der Dichter (Werner Brunn) erkrankt im Bett in seiner Wohnung in Wien. Er erinnert sich an sein Leben und halluziniert Figuren aus seinen Werken, etwa Judith und Brunhilde (beide Male kongenial: Magdalena Montezuma). Erzählt wird dies in Form komplexer Rückblenden und Traumsequenzen sowie anhand von Textauszügen aus Briefen, Theaterstücken und Tagebucheinträgen. Visuell wechseln sich realistische und in Farbe gedrehte Kindheitsszenen ab mit grellen Camp-Horrorvisionen und düsteren Momenten von Schuldeingeständnissen gegenüber Freunden und Geliebten, weiblichen wie männlichen, denn auch Glutmensch durchzieht ein „rosa Faden“ (Wolfgang Theis). 2023 wurde Briels Opus Magnum von der Deutschen Kinemathek digital restauriert und liegt somit wieder in all seiner Farbenpracht vor. (fl)

Frederik Lang ist Filmhistoriker, Kurator und Autor.

Glutmensch