
„Ein genuines Melo, in dessen morbiden Farben, frühes Agfacolor, Untergangsstimmung sich ausbreitet, mit langen, aktionslosen Nah- und Großaufnahmen, in die Gefühl sich ergießen kann. Der starre Rahmen eines Hamburger Bürgerhauses gegen endlose Ritte an weiten Stränden. Und Leidenschaft, die umso röter ist, weil vom Tod gezeichnet.“ Gleichermaßen bewundernd wie befremdet schreibt 1981 die Filmkritikerin Frieda Grafe über Veit Harlans farblich filigran ausstaffierten Liebesfilm inmitten norddeutscher Küsten- und Stadtlandschaften. Ein Film, der sich mehr noch als an realen Orten im Zwischenreich tief empfundener Melancholie und schwelender erotischer Sehnsüchte abspielt.
Opfergang ist die Geschichte einer tragischen, unerfüllt bleibenden Liebe zwischen der freiheitsliebenden Äls und dem verheirateten Albrecht, verhindert durch schicksalshafte Krankheiten, die beide ereilen. Veit Harlan holte mit Kristina Söderbaum und Carl Raddatz zwei Stars des NS-Kinos vor die Farbkamera, wenige Jahre nach seinem antisemitischen Hetzfilm Jud Süß (1940). Im Gegensatz zu diesem scheint der politische Auftrag von Opfergang weit entfernt, doch der Eindruck täuscht: „Mitten im totalen Krieg versprachen sich Goebbels und auch Hitler eine stimulierende Wirkung davon, vom Schwarzweißfilm wegzukommen – die deutschen Filme sollten den Schwung der amerikanischen einholen.“ (Paul Virilio, Krieg und Kino, 1984). (ts)
Opfergang
- D 1944
- 35mm
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R: Veit Harlan, B: Alfred Braun, Veit Harlan, Hans Radtke nach einer Erzählung von Rudolf G. Binding, K: Bruno Mondi, D: Carl Raddatz, Irene von Meyendorff, Kristina Söderbaum, Franz Schafheitlin, Ernst Stahl-Nachbaur, Paul Bildt, Otto Treßler, 98‘