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Reisender Krieger

Die Schweiz in einem Dämmerzustand, Straßen, Baustellen, Wohnviertel, Raststätten und überall Beton: Der Handelsvertreter Krieger (Willy Ziegler) reist im Auftrag der Kosmetikfirma Blue Eyes durch das Land und versucht in Kaufhäusern und Frisörläden seine Produkte zu verkaufen. Unterwegs trifft er ganz unterschiedliche Menschen und kommt mit ihnen ins Gespräch.

Christian Schocher, langjähriger Betreiber eines Kinos im Engadin und Regisseur eines schmalen, ungemein faszinierenden Werkes, drehte mit seinem dritten Film ein monumentales Doppelportrait: Das eines Mannes ohne Vornamen, der schlecht gelaunt durch die Schweiz reist, sowie das Abbild eines Landes, das sich ganz in Grau präsentiert. Die Handlung basiert lose auf Homers Odyssee und zusammen mit den Laiendarsteller*innen und dem Kameramann Clemens Klopfenstein improvisierte Schicher große Teile des Films. „Wir erfanden jeden Tag und jede Nacht neu, was wir drehen wollen und wie das aussehen soll. Für mich ist es sozusagen ein neuer Filmstil, den wir während den Dreharbeiten entwickelt und erfunden haben.“ (Christian Schocher) Im Zentrum steht dabei der Hauptdarsteller Willy Ziegler, den Schocher per Zufall in einer Kneipe kennengelernt hatte. Im Trenchcoat fährt dieser durch die Schweiz, ein mürrischer Beobachter, der, in den Worten von Karsten Witte, sowohl Voyageur als auch Voyeur ist.

2008 entschloss sich Schocher, den Film erneut ins Kino zu bringen, „als Director's Cut, der ausnahmsweise nicht länger, sondern kürzer ist als das Original: Reisender Krieger in der klaren, präzisen Form, von der ich immer geträumt habe.“ (hb)

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