Jump directly to the page contents

Wenn die Kamera nicht klaustrophobisch nah auf Sauls Gesicht verharrt, haftet sie an seinem Rücken. Das rote X auf der Jacke, die er in Auschwitz tragen muss, markiert ihn als Mitglied des Sonderkommandos. Tagtäglich ist er gezwungen, jüdische Mithäftlinge zu den Gaskammern zu bringen und nach deren Ermordung ihre Kleidung nach Wertsachen zu durchsuchen. Der Aufstand des Sonderkommandos steht kurz bevor, doch Saul beschäftigt etwas anderes: In einer Kinderleiche glaubt er seinen unehelichen Sohn zu erkennen. Er möchte ihn heimlich nach jüdischem Brauch bestatten. Dafür ist Saul fest entschlossen, unter den Gefangenen einen Rabbi ausfindig zu machen. 

Son of Saul ist konsequent aus subjektiver Perspektive erzählt. Er bleibt ganz und gar bei Saul, den Darsteller Géza Röhrig vor allem mimisch sprechen lässt. Die Regie von László Nemes verdrängt die Darstellungen der Gräueltaten keineswegs, vielmehr werden sie in die Peripherie verlagert: Am Bildrand sind sie zu sehen, verschwommen, abseits, aber doch erkennbar. Die SS ist dabei „der gesichtslose und unpersönliche Tod [...] [der] nur unerträgliches Gebrüll und Gebell ohne visuelle Präsenz bleibt.” (filmbulletin, 7.4.2016) (juf)

Saul fia