
Mit der in Jugoslawien gedrehten Winnetou-Kinoreihe des Erfolgsproduzenten Horst Wendlandt war das Genrekino Harald Reinls am Höhepunkt seiner Popularität angelangt. Den Startschuss gab 1962 – und damit zwei Jahre vor Sergio Leones erstem Italowestern – der Kassenschlager Der Schatz im Silbersee. Es war der erste von fünf Western um die „Blutsbrüder“ Old Shatterhand (Lex Barker) und Winnetou (Pierre Brice), den Reinl in Anlehnung an die bei Jung und Alt populären Wild-West-Imaginationen Karl Mays inszenierte.
Wie in den vorangegangenen Reihenbeiträgen treten in Winnetou III der im BRD-Kino dank Reinl bereits heimische US-Amerikaner Lex Barker und der erst in der Figur des Apachenhäuptlings zum Star avancierte Pierre Brice vor die Kamera. Wieder einmal versuchen beide, den Frieden zwischen Natives und weißen Siedlern zu wahren – doch diesmal sehen sie sich einem Kampf an zwei Fronten gegenüber: skrupellose, nach Land und Öl greifende Banditen auf der einen, von diesen Schurken aufgewiegelte Jicarillo-Krieger auf der anderen Seite. Am Ende herrscht nach rastloser, brillant gradlinig im Stile US-amerikanischer B-Western inszenierter Action Frieden, doch der Preis ist hoch: Winnetou – so viel sei verraten – stirbt, was Wendlandt nicht hinderte, noch zig weitere Reihentitel zu produzieren. Bis heute hat Winnetou ein Nachleben in der Popkultur. Kein unumstrittenes, wie Debatten um den Exotismus und Rassismus von Vorlage und Kinoreihe zeigen. (ts)
Matthias Dell ist Medienjournalist, Film-, Fernseh- und Theaterkritiker. Das Kontextualisieren und kritische Kommentieren aktueller kulturpolitischer Debatten sind Schwerpunkte seiner Arbeit.
Winnetou III
- BRD/JU 1965
- 35mm
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R: Harald Reinl, B: Harald G. Petersson, J. Joachim Bartsch, K: Ernst W. Kalinke, M: Martin Böttcher, D: Lex Barker, Pierre Brice, Rik Battaglia, Ralf Wolter, Carl Lange, Mihail Baloh, Aleksandar Gavrić, 93‘