Sunday, 20. December 2026, 03.30 PM
„Zärtlich kreist die Faust“. Filmtagebuch mit Lutz Rathenow, Schriftsteller, Ostberlin

Er sei kein politischer Schriftsteller, sagt Lutz Rathenow an einer Stelle seines Filmtagebuchs. Und doch spiegeln seine Notizen jene politisch-diffuse Atmosphäre Anfang des Jahres 1990, als sich die DDR auflöste und nicht nur den Schriftstellern der Boden entzogen wurde. Diese eigentümliche Stimmung findet sich wieder in dem allgegenwärtigen winterlich-grauen Dunst, der über Ost-Berlin liegt und in den Brachen und Brandmauern, Hinterhöfen und bröckelnden Fassaden nistet. Die Kamera folgt Rathenow von der Schönhauser Allee zum U-Bahnhof Alexanderplatz, von der Karl-Marx-Allee zum Thälmann-Denkmal und dem Jüdischen Friedhof in Weißensee.
Mit dem Fotografen Harald Hauswald diskutiert Rathenow die Bildauswahl für die Neuauflage ihres 1987 erschienenen Buches Ost-Berlin. Vor einer Wohnung, die ihm als konspiratives Versteck seiner Arbeiten diente, reflektiert er das Schreiben unter den Bedingungen einer Diktatur. Am Grenzübergang zu West-Berlin notiert er: „Die Chance zur Zivilcourage gab es immer." In Jena, seinem Heimatort, wo er 1977 aus politischen Gründen von der Universität relegiert wurde, erlebt er 1990 in einem nüchternen Büro seine Rehabilitation. (jg)
„Zärtlich kreist die Faust". Filmtagebuch mit Lutz Rathenow, Schriftsteller, Ostberlin
- D 1990
- Digital HD
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R: Hilde Bechert, Klaus Dexel, K: Claus Langer, Hermann Sowieja, 68'