
„Was ich auf keinen Fall wollte: (…) einen ‚historischen‘ Film drehen, der in der österreichischen Provinz spielt,“ schrieb die Filmemacherin Angela Summereder anlässlich der Präsentation ihres Debütfilms im Internationalen Forum des Jungen Films auf der 32. Berlinale 1982 im Forumsblatt. In ihrem „ethnografischen Film“ (ebd.) widmet sie sich Maria Zechmeister, die man 1948 in Oberösterreich des Meuchelmordes an ihrem Ehemann verdächtigte und ein Jahr später zu lebenslanger Haft verurteilte. Ihr Film spürt den gesellschaftlichen Bedingungen und Nachwirkungen jenes Urteils nach, das ohne Geständnis und Beweise auf Grundlage von Gerüchten und Vorurteilen gefällt wurde. In Zechmeister werden dafür neben Spielfilmszenen nicht nur historische Protokollauszüge, Plädoyers und juristische Anträge eingesprochen, vielmehr treten auch die historischen Zeug*innen und sogar Maria Zechmeister selbst am dokumentarischen Tatort auf. Die erzählerischen Bruchstücke werden von der Kamera Hille Sagels durch stilisierte Einstellungen und reduzierte Bildausschnitte verfremdet. Erst nach der Veröffentlichung des Filmes wurde das Urteil „als Grenzfall, als möglicher Irrtum“ revidiert (Angela Summereder, Frauen und Film 2/1982). (mr)
Maja Roth ist Kunst- und Filmhistorikerin, Kuratorin und Mitglied von CineGraph Babelsberg. Sie arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Zechmeister
- AT 1981
- DCP
-
R/B: Angela Summereder, K: Hille Sagel, Animation: Elfi Mikesch, M: Christian Geerdes, Fritz Mikesch, Ursula Weck, Franz Léhar, D: Herbert Adamec, Asher Mendelssohn, Dietrich Siegl, Peter Weibel, 79'