Logo und Schriftzug des Deutschen Historischen Museums und eine Ansicht der neuen Ausstellungshalle von I.M.Pei neben dem Zeughaus
German Historical Museum
 
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  Wiederentdeckt

 

Wiederentdeckt

 

Wiederentdeckt – so heißt unsere filmhistorische Reihe, kuratiert von CineGraph Babelsberg e.V., die einmal im Monat vergessene Schätze der deutschen Filmgeschichte vorstellt. Zu sehen sind Werke, die oftmals im Schatten jener Filme stehen, die den deutschen Filmruhm begründet haben. Sie sind Zeugnisse einer wirtschaftlich leistungsfähigen und handwerklich ambitionierten Filmindustrie. Erstaunlich viele dieser Filme „aus der zweiten Reihe“ sind erhalten. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv und der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen recherchieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von CineGraph Babelsberg e.V. Spielfilme, die einer Wiederentdeckung harren. Sie analysieren die Filme im historischen Kontext, erstellen Begleitblätter für das Publikum, führen in die Programme ein und dokumentieren ihre Forschungsergebnisse im Filmblatt, der Zeitschrift von CineGraph Babelsberg e.V.

 

Wiederentdeckt

Zwischenfall in Benderath
DDR 1956, R: János Veiczi, B: Curt Corrinth, János Veiczi, nach dem Schauspiel Trojaner von Curt Corrinth, K: Hans Hauptmann, D: Uwe-Jens Pape, Hartmut Reck, Gerhard Rachold, Renate Küster, Doris Abeßer, Heinz Schröder, 98‘ · 35 mm

Ein Sommersonntag in einer westdeutschen Kleinstadt. Ein paar Abiturienten treffen sich auf einer Insel im See, nennen sich „Trojaner“ und schwören, in Not und Gefahr fest zusammenzuhalten. Schon bald muss sich die Gemeinschaft bewähren, denn einer der Jungen, der aus einem jüdischen Elternhaus stammende Jakob, wird von einem faschistoiden Lehrer als „feiger Orientaler“ und „staatsfeindliches Element“ beschimpft. Als die Mitschüler den Lehrer auffordern, die Beleidigung zurückzunehmen, und dieser sich weigert, verlassen Jakob und seine Freunde den Unterricht, verbergen sich auf der Insel und stellen dem Direktor des Gymnasiums ein Ultimatum. Der Fall macht bald Schlagzeilen weit über die Schule hinaus, Eltern, Lehrer, Presse und auch die Behörden schalten sich ein.
Regiedebütant János Veiczi nutzte den mahnenden und warnenden Satz Bertolt Brechts, „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, als Leitmotiv für einen zupackenden, besonders von den jungen Darstellern ergreifend gespielten Film über antisemitische Tendenzen in der Bundesrepublik der 1950er Jahre. „Die gesamte Handlung ist auf den novellistischen Kern hin gebaut. Die strenge, übersichtliche Montage betont die konzentrierte, schnörkellose Inszenierung.“ (Dieter Wolf, DEFA-Spielfilm-Regisseure und ihre Kritiker). (rs)
Einführung: Ralf Schenk

am 03.01.2014 um 18.30 Uhr

Wiederentdeckt

1 + 1 = 3. Ehe man Ehemann wird
D 1927, R: Felix Basch, B: Béla Balázs, Hermann Kosterlitz (Henry Koster), K: Edgar S. Ziesemer, D: Veit Harlan, Georg Alexander, Claire Rommer, Siegfried Arno, ca. 86‘ · 35mm

Ein „Filmscherz“ des Schriftstellers und Filmtheoretikers Béla Balázs: 1 + 1 = 3, produziert vom kommunistischen Medienunternehmer Willi Münzenberg, parodiert spießbürgerliche Moralvorstellungen und Konventionen des kommerziellen Kinos. Zwei junge Männer, gespielt von Georg Alexander und dem späteren NS-Filmregisseur Veit Harlan, kämpfen um ihre Existenz in der Großstadt. Ihr Schicksal ändert sich schlagartig, als einer von ihnen eine Erbschaft macht – allerdings unter der Bedingung, dass er nicht heiratet. Um das Geld zu bekommen und gleichzeitig der Angebeteten (Claire Rommer) nah zu sein, wird eine Scheinheirat arrangiert. Was Verwicklungen zur Folge hat.
Die visuell einfallsreiche, mit selbstreflexiven Momenten und ironischen Bezügen auf die damalige Unterhaltungskultur gespickte Komödie träumt von einem Kino, das zugleich sozialkritisch und spielerisch ist. 1 + 1 = 3 fasziniert als Meditation über die widersprüchliche Funktion der Institution Ehe in der kapitalistischen Gesellschaft und als Dokument der Vielfalt und Komplexität des Kinos der Weimarer Republik. „Der Film hat seine Überlegenheit dem Wort gegenüber in erstaunlicher Weise dokumentiert. Man zeigt hier Bildvorgänge, vor denen das Wort sich geniert und errötet. Der freche Vorstoß ins Heikle, Unmoralische – vom Standpunkt der bürgerlichen Gesellschaftsmoral – ward noch nie so kühn im Film vollzogen.“ (Ernst Jäger, Film-Kurier, 10.12.1927). (nb)
Am Flügel: Peter Gotthardt. Einführung: Nicholas Baer

am 31.01.2014 um 18.30 Uhr

Wiederentdeckt

Was bin ich ohne Dich
D 1934, R: Arthur Maria Rabenalt, B: Thea von Harbou, K: Herbert Kröner, M: Will Meisel, D: Wolfgang Liebeneiner, Betty Bird, Rudolf Platte, Olga Tschechowa, Fita Benkhoff, 76‘ · 35 mm

Mit einem szenisch und musikalisch beinahe artistischen Entree begegnet uns das Ensemble armer Künstler, um das sich die Komödie des Übergangs rankt. Ein Komponist und seine Frau, eine arbeitslose Schauspielerin, sowie ein erfolgloser Dichter werden von der Eröffnungssequenz bis zum Schluss getragen von der Musik des Films. Ihre Schicksale führen von den Wohnungen des Mietshauses auf einen Filmball, auf dem wirklich alles in Verwechslungsspielen, Liebeswirren und Karrieremöglichkeiten grundlegend ins Gute gewendet werden kann. „Wer brachte diesen Zucker, diesen Zauber, die Tralalaheiterei in eine klingende, singende, springende Form? Thea von Harbou. Und wer goß diese Lieblichkeit in tanzende, neckische, sprudelnde Szenen? Arthur M. Rabenalt, der hier eine leichte und glückliche Hand bewies. Und wer fotografierte diesen Unsinn, der so hold ist, daß ein ernsthafter Einwand vom Gelächter verschluckt wird, mit dem man diese Teufelei amüsiert begleitet? Herbert Körner.“ (Der Film v. 25.8.1934). (smf) Einführung: Stefanie Mathilde Frank

am 07.03.2014 um 19.00 Uhr

 

 
 
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