Objekt im Blick: Der osmanische Turbanhelm

16. Juli 2026 84 Min.

Der „Osmanische Turbanhelm“ wurde einst von einem hochrangigen Krieger im Osmanischen Reich getragen, später gelangte er über die Sammlung des Prinzen Carl von Preußen in die „Ruhmeshalle“ des Zeughauses. Was verrät er über die Symbolik und Technik solcher Rüstungen – und was über die Geschichte und Interessen der Berliner Sammlungen, die sich später mit ihnen rühmten?

Die Veranstaltungsreihe „Objekt im Blick“ zur Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung“ rückt insgesamt vier Objekte in den Fokus und folgt ihren Spuren. In der Auftaktveranstaltung  am 1. Juli 2026 sprachen Deniz Erduman-Çalış, Kuratorin am Museum für Islamische Kunst, Aaron Jochim, Leiter der Sammlung Militaria: Waffen – Rüstungen – Militärisches Gerät, und Helen Pfeifer, Associate Professor in Early Ottoman History an der University of Cambridge, über einen Helm aus der Sammlung des Deutschen Historischen Museums im Spannungsfeld von Kunst-, Kultur- und Militärgeschichte des Osmanischen Reiches. Moderiert wurde der Abend von Julia Voss, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Präsidium am DHM.

Eine Person sitzt mit einem Mikrofon auf einem Podest vor einer großformatigen Abbildung eines osmanischen Turbanhelms und spricht darüber.
Objekt im Blick: Der osmanische Turbanhelm
84 Min.
Objekte. Geschichte. Geschichten.
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Die Veranstaltung nahm anhand eines Helms der Militaria-Sammlung die verflochtene Geschichte des Osmanischen Reiches und Europas vom 16. bis ins 19. Jahrhundert in den Blick. Der Abend zeigte, wie das vielschichtige Objekt in die Kriege und militärische Expansion, aber auch in die kulturellen und diplomatischen Beziehungen eines Großreiches der Frühen Neuzeit eingeordnet werden kann. Der reich verzierte Helm öffnete dabei den Blick für die Kultur osmanischer Eliten und deren Strahl- und Anziehungskraft. 

Die Teilnehmer*innen entschlüsselten das reiche Ornament des Helms und folgten seinen Spuren vom Waffenarsenal in Istanbul bis in Berliner Sammlungen. Ihre Diskussion warf Fragen danach auf, wie sich die Wahrnehmung des Osmanischen Reiches und seiner Kultur seit dem 19. Jahrhundert änderte und welche Blickwinkel und Begriffe heute hinterfragt werden müssen.

Am Ende kam die Diskussion zu dem überraschenden Ergebnis, dass die einzelnen Teile des Helms nicht nur aus unterschiedlichen Zeiten stammen, sondern wahrscheinlich auch frühneuzeitliche Beziehungen zu ähnlichen Objekten aus deutschen Städten aufweisen. So ermöglichte das Podiumsgespräch neue Perspektiven zur Sammlung des Deutschen Historischen Museums.

Das Bild zeigt einen Turbanhelm im osmanischen Stil. Der Helm ist aus Metall gefertigt und besteht aus einer Helmglocke mit Augenschirm sowie angebrachtem Wangen- und Schultergehänge.

Helm (çiçak), Türkei, Istanbul (?), osmanischer Stil, 16. Jahrhundert (Helmglocke und Augenschirm), ca. 18 Jahrhundert (Wangen- und Schultergehänge), Marke des osmanischen Arsenals in Istanbul an der Stirnseite der Helmglocke. Weitere Informationen s. Fußnote 1.

Das Foto zeigt Installationsansicht einer Reiterinstallation im Berliner Zeughaus vor 1934. Das Reitermodell trägt den osmanischen Helm.

Ausstellung des osmanischen Helms als Teil einer Reiterpräsentation im Berliner Zeughaus (vor 1934), kombiniert mit einem Panzerhemd mit Beinteilen (osmanisch, um 1500) und einem Rossharnisch (mamlukisch, turkmenisch, safawidisch oder osmanisch, um 1500). Foto © DHM, Inv.-Nr. GN 5528.

Auf dem Foto ist ein Vergleichsobjekt aus dem mitteleuropäischen Raum zu sehen. Es handelt sich ebenfalls um einen metallenen Helm mit Augenschirm in "orientalisierender" Form.

Vergleichsstück mit „orientalisierender“ Form aus dem deutschen und mitteleuropäischen Raum: Sturmhaube (Zischägge), deutsch, ca. 1560/1570. New York, The Metropolitan Museum of Art, Inv.-Nr. 2014.758 (Purchase, Ronald S. Lauder and Arthur Ochs Sulzberger Gifts, 2014).

Das Foto zeigt eine metallene, tropfenförmige und reich verzierte Helmglocke, die "orientalisierend" anmutet. Die Farbigkeit des Metalls ist warm und messingfarben.

Vergleichsstück mit „orientalisierender“ Form aus dem deutschen und mitteleuropäischen Raum: Helmglocke einer Sturmhaube, ungarisch/polnisch (?), um 1600. © DHM, Inv.-Nr. W 4697.

Auf dem Foto ist eine Zischägge abgebildet. Es handelt sich dabei um einen metallenen Helm mit Ohren- und Nackenblenden mit Randverzierungen.

Beispiel für die sogenannte Zischägge, ein Helmtyp, der wahrscheinlich auf die osmanische Sturmhaube (çiçak) zurückgeht. 1. Hälfte 17. Jh. © DHM, Inv.-Nr. W 59/3226.

Das Bild zeigt einen metallenen Panzerhandschuh der linken Hand, der auf einem weißen Untergrund liegt.

Ein (mittel-)europäisches Rüstungsteil mit der Marke des osmanischen Arsenals in Istanbul: Panzerhandschuh von einem spätgotischen Harnisch, deutsch, um 1480/1490. © DHM, Inv.-Nr. W 139.

Zwei Personen sitzen auf einer Bühne während einer Podiumsdiskussion. Die Person links spricht in ein Handmikrofon und gestikuliert mit einer ausgestreckten Hand, während die Person rechts aufmerksam zuhört. Zwischen ihnen stehen kleine Tische mit Wasserkaraffen und Gläsern. Im Hintergrund sind eine Projektionsfläche und eine orange beleuchtete Wand zu sehen.

Helen Pfeifer, Associate Professor in Early Ottoman History an der University of Cambridge (links) und Deniz Erduman-Çalış, Kuratorin am Museum für Islamische Kunst (rechts) auf dem Podium bei der Veranstaltung „Objekt im Blick" © DHM/Yu Minobe

Person sitzt auf einer Bühne auf einem hohen Stuhl, hält ein Mikrofon in der Hand und spricht. Sie trägt einen dunklen Anzug und eine Brille. Im Hintergrund ist eine orange beleuchtete Wand mit quadratischem Gittermuster zu sehen.

Aaron Jochim, Leiter der Sammlung Militaria: Waffen – Rüstungen – Militärisches Gerät am DHM, auf dem Podium bei der Veranstaltung „Objekt im Blick" © DHM/Yu Minobe

Zwei Personen sitzen auf einer Bühne in einer Podiumsdiskussion und halten jeweils ein Handmikrofon. Die Person rechts spricht und gestikuliert mit einer erhobenen Hand, während die Person links aufmerksam zuhört. Im Hintergrund sind eine Projektionsfläche und eine orange beleuchtete Wand mit quadratischem Gittermuster zu sehen.

Deniz Erduman-Çalış, Kuratorin am Museum für Islamische Kunst (links), und Julia Voss, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am DHM und Moderatorin der Veranstaltung (rechts) auf dem Podium © DHM/Yu Minobe

Ergebnisse aus dem Podiumsgespräch mit Hinweisen zu Material und Technik von Julia Garve und Olaf Ignaszewski, Metallrestaurator*innen am DHM. Zusammengefasst von Aaron Jochim, Leiter der Sammlung Militaria: Waffen – Rüstungen – Militärisches Gerät am DHM.

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Redaktion

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