Konrad Henlein 1898-1945

NS-Politiker

  • 1898

    6. Mai: Konrad Henlein wird in Maffersdorf bei Reichenberg (Sudetengebirge) als Sohn des Buchhalters Konrad Henlein und dessen tschechischer Frau Hedwig (geb. Dvoracek) geboren.

  • 1916

    Nach dem Besuch der Handelsakademie in Gablonz/Neiße tritt Henlein während des Ersten Weltkriegs in die österreich-ungarische Armee ein.

  • 1917/18

    Er dient er an der italienischen Front, wird zum Fähnrich befördert und gerät in italienische Kriegsgefangenschaft. Während seiner Inhaftierung auf einer Gefängnisinsel setzt er sich mit der Geschichte der deutschnationalen Turnvereine auseinander. Er befürwortet einen großdeutschen Nationalismus und eine straffe Jugenderziehung.

  • 1919

    Henlein wird aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und arbeitet als Bankbeamter in Gablonz.

  • 1925

    Er übernimmt hauptberuflich die Stelle eines Turnlehrers in Asch (bei Eger/Cheb). Er setzt sich für die Umwandlung der Turnvereine in strenge nationale Erziehungs- und Kampforganisationen ein. Seine organisatorischen Fähigkeiten machen ihn zu einem bekannten Funktionär.

  • 1928

    Um die Interessen der deutschen Minderheit bei der Regierung in Prag stärker durchzusetzen, gründet Henlein mit Freunden, die vor allem aus der Studentenbewegung Othmar Spanns kommen, den politischen "Kameradschaftsbund", der die Bildung einer sudetendeutschen Einheitsfront vorantreiben soll.

  • 1931

    Henlein wird Führer des Sudetendeutschen Turnverbands in der Tschechoslowakei. Er will auch den Turnverband als politisches Mittel im Sinn der Völkischen benutzen.

  • 1933

    1. Oktober: Nachdem ihm zuvor ein Zusammenschluß aller nicht-sozialistischen Parteien mißlungen ist, gründet Henlein die "Sudetendeutsche Heimatfront" (SHF). Weil die tschechoslowakische Regierung kurz zuvor die Deutsche National-Sozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) verboten und die Deutschnationale Partei aufgelöst hat, beteiligen sich viele ehemalige Funktionäre und Politiker dieser Parteien an dem Gründungsakt. So erhält die SHF sofort eine breite Basis und große Anhängerschaft.

  • 1933-1935

    Henlein versichert mehrfach, die SHF strebe die Autonomie der sudetendeutschen Bevölkerungsgruppe, aber keine Grenzveränderung der Tschechoslowakei an. Gleichzeitig knüpft er jedoch enge Kontakte zur Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), um deren finanzielle und diplomatische Unterstützung zu erhalten. Er versucht jedoch, seine eigene Handlungsfreiheit zu bewahren.

  • 1935

    Umbenennung der SHF in Sudetendeutsche Partei (SdP).
    19. Mai: Bei den Parlamentswahlen erreicht die SdP einen großen Erfolg und wird mit 44 Mandaten zweitstärkste Partei in der Tschechoslowakei. Sie vertritt etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung dort. Der Wahlkampf wurde größtenteils von der NSDAP bezahlt.

  • 1935/36

    Adolf Hitler übt zunehmenden Druck auf die SdP aus und erzwingt die Aufnahme von wichtigen ehemaligen DNSAP-Führern in die Parteileitung. Zudem setzt eine Unterwanderung mit Nationalsozialisten auf der unteren Funktionärsebene ein.

  • 1935-1938

    Die Mitgliederzahl der SdP erhöht sich von 100.000 auf 1,3 Millionen. Die massive Unterstützung durch die NSDAP führt unter den Mitgliedern verstärkt zur Befürwortung der "Anschlußforderung", deren Ziel die Abtretung des Sudetengebiets an das Deutsche Reich ist.

  • 1938

    März: Nachdem er sich kurz zuvor ganz der Autorität Hitlers gebeugt hat, stellt Henlein ein "Sudetendeutsches Freikorps" auf, das von der Sturmabteilung (SA) in Deutschland ausgebildet wird.
    28. März: Henlein trifft insgeheim mit Hitler zusammen, der eine Strategie zur Herbeiführung der Sudetenkrise festlegt: Die SdP solle stets etwas mehr fordern, als die Regierung in Prag gewähren könne.
    April-September: Hitlers Drohung mit dem Einmarsch in die Tschechoslowakei, die Forderungen der SdP und die aktiven Widerstandshandlungen des "Sudetendeutschen Freikorps" in der Tschechoslowakei verschärfen die politische Krise um die Sudetendeutschen und machen sie zur außenpolitischen Machtprobe. Henlein kehrt während dieser Zeit nicht in die Tschechoslowakei zurück.
    29./30. September: Zur Lösung der Krise findet die Münchner Konferenz statt. Der britische Ministerpräsident Arthur Neville Chamberlain und der französische Regierungschef Édouard Daladier stimmen unter Vermittlung von Benito Mussolini der Abtretung des Sudetengebiets zu. Die tschechoslowakische Delegation nimmt an den Verhandlungen nicht teil, woraufhin Staatspräsident Eduard Beneš (1884-1948) fünf Tage später aus Protest zurücktritt.
    1. Oktober: Deutsche Truppen rücken in das Sudetengebiet ein, wohin auch Henlein zurückkehrt.
    30. Oktober: Hitler schafft per Erlaß den neuen Gau "Sudetenland" und ernennt Henlein zum Gauleiter und Reichsstatthalter.

  • 1939

    15./16. März: Besetzung der "Resttschechei" durch die deutsche Wehrmacht und Schaffung des "Reichsprotektorats Böhmen und Mähren". Bei der Postenvergabe im Protektorat wird Henlein von Hitler jedoch übergangen, er bleibt nur Gauleiter für das Sudetengebiet.

  • 1939-1945

    Im Zweiten Weltkrieg kann Henlein keinen Einfluß auf die deutsche Besatzungspolitik in der Tschechoslowakei mehr ausüben. Er bleibt bis Ende des Kriegs Gauleiter.

  • 1943

    Beförderung zum Obergruppenführer der Schutzstaffel (SS).

  • 1945

    Nach Kriegsende wird er von den Amerikanern gefangengenommen.
    10. Mai: Konrad Henlein nimmt sich in einem amerikanischen Gefangenenlager in Pilsen das Leben.

(mw)
lo