
Die Screwball-Komödie gilt als geschlechterpolitisch progressives Genre, das seinen weiblichen Figuren – gerade im Vergleich zur romantischen Komödie – ein großes Maß an Handlungsmacht zugestand. Sie treiben die Handlung voran, entziehen sich Erwartungen, setzen Tempo und Regeln, während männliche Selbstbilder ins Wanken geraten und der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Waren die klassischen Screwball Comedys jedoch fast ausnahmslos von Männern inszeniert, ist Elaine Mays A New Leaf nicht nur ein Screwball-Update, das den proto-feministischen Schwung der Klassiker mitnimmt, sondern auch genuines Beispiel weiblicher Autorinnenschaft. May führte Regie, schrieb das Drehbuch und übernahm die weibliche Hauptrolle: die ebenso unbeholfene wie leidenschaftliche Botanikerin Henrietta, deren Lebensziel es ist, eine neue Pflanzenart zu entdecken. Für den charmanten, aber bankrotten Millionär Henry Graham (Walter Matthau) scheint sie deshalb das perfekte Opfer für seinen perfiden Plan, eine reiche Frau zu heiraten, um sie dann zu vergiften, um an ihr Vermögen zu kommen. Diese für den Screwball ungewöhnlich düstere Ausgangslage tritt jedoch in dem Maße in den Hintergrund, wie Henry und Henrietta über Umwege zueinander finden. Und die Lösung des Konflikts ist die Einsicht, dass es um ihn längst nicht mehr gehen muss. (tk)
A New Leaf
- USA 1971
- DCP
- OV
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R/B: Elaine May, K: Gayne Rescher, D: Walter Matthau, Elaine May, Jack Weston, George Rose, James Coco, 102'