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Die steilste Karriere von allen Mitwirkenden an Menschen am Sonntag macht der Regisseur Robert Siodmak. Er bekommt einen Vertrag bei Deutschlands größtem Filmkonzern, der Ufa, und dreht bald Großproduktionen mit Hans Albers, Lilian Harvey und Emil Jannings. Die Freude am Experiment begleitet ihn dabei, auch in Abschied, seinem ersten Ufa-Film. Im Unterschied zu Menschen am Sonntag, der fast vollständig unter freiem Himmel gedreht ist, ist der Schauplatz von Abschied ein geschlossener Raum, ein eigener Kosmos: eine große Berliner Pension mit vielen Mietern, die sich keine eigene Wohnung leisten können. Lovers and Losers. Träume, Schäume, Missverständnisse, Absurdes, Durcheinander. Dem Impressionismus und der Stimmungsmalerei der Bilder im vorangegangenen Film entspricht hier ein Impressionismus der Töne, Klänge, Geräusche. „Robert Siodmak, der mit dem Außenseiterfilm Menschen am Sonntag begann, zeigt im Rahmen der Ufa-Produktion seine Romance insentimentale Abschied. Der Stummfilm hat ihn bekannt gemacht; der Sprechfilm wird ihn groß machen. (…) Robert Siodmak wird weitergehen zur Stilisierung von Klang und Bild; man spürt es bereits in diesem Film. Was ihn schon heute zum großen Filmschaffen prädestiniert, ist die Unbedenklichkeit des Zupackens, der Mut zum Weitergehen, über Unvollkommenheiten, momentane Unlösbarkeiten hinweg. So macht man Filmgeschichten und – Filmgeschichte.  “ (Hans Feld, Film-Kurier, 26.8.1930) 

Ursprünglich sollte bei Menschen am Sonntag der viel erfahrenere Rochus Gliese Regie führen, mit dem Edgar G. Ulmer in Hollywood bei Friedrich Wilhelm Murnaus Sunrise (1927) zusammengearbeitet hatte. Doch schon kurz nach Drehbeginn scheidet Gliese aus dem Projekt aus. Gliese dreht danach zusammen mit der Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger Die Jagd nach dem Glück, die Geschichte eines Schaubudenbesitzers, der mit einem neuen Projektor über die Jahrmärkte zieht. Als abendfüllender Realfilm mit Silhouetten-Animationsfilm-Sequenzen konzipiert, ist zurzeit nur ein Fragment – eine von Lotte Reiniger gestaltete Silhouetten-Filmsequenz am Ende des Films – überliefert. (ps)

Abschied


D 1930
DCP

R: Robert Siodmak, D: Emeric Pressburger, Irma von Cube, K: Eugen Schüfftan, M: Erwin Bootz, D: Brigitte Horney, Aribert Mog, Emilie Unda, Konstantin Mic, Erwin Bootz, Erwin Splettstößer, 78'

Die Jagd nach dem Glück


D 1930
DCP

R: Rochus Gliese, B: Rochus Gliese, Lotte Reiniger, Carl Koch, Scherenschnitte: Lotte Reiniger, K: Fritz Arno Wagner, D: Alexander Murski, Amy Wells, Berthold Bartosch, 17' (Fragment) · Musik: Cellophon (Cello-Duo Paul Rittel und Tobias Stutz)

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Abschied