
Die zwei Burschen, die aus dem fahrenden Zug eines KZ-Transports springen, rennen um ihr Leben, stürzen die steile Waldlichtung förmlich empor. Ihre abgerissenen Kleider und angsterfüllten Gesichter, ihr schwerer Atem und ihre physische Erschöpfung – all das macht Jan Němec' Meisterwerk in eindringlichen Schwarzweißbildern sichtbar, die Strapazen der Flucht so hautnah spürbar. Němec setzt die Mittel des Kinos ein, um subjektive Erfahrungen – Durst, Schmerz, das Vergehen der Zeit, Sehnsucht, Furcht, aber auch aufkeimende Hoffnung – mit assoziativen Rückblenden, Träumen und Halluzinationen zu verknüpfen. Erstmals wird eine surrealistische Bildsprache mit einer Holocaust-Erzählung zusammengeführt, einzigartig arrangiert durch eine virtuose Kameraführung und Montage.
Der Vorfilm Sousto, in dem drei ausgezehrte Häftlinge einen Laib Brot aus einem von einem deutschen Soldaten bewachten Waggon stehlen wollen, basiert ebenfalls auf einer Erzählung des tschechischen Schriftstellers Arnošt Lustig, der als Jugendlicher die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald überlebte und dem beim Transport in das Lager Dachau die Flucht gelang. (bm)
Ludwig Wüst ist österreichischer Filmemacher.
Démanty noci
R: Jan Němec, B: Jan Němec, Arnošt Lustig, nach Lustigs Erzählung Tma nemá stín ze sbírky (Finsternis wirft keine Schatten), K: Jaroslav Kučera, Miroslav Ondříček, D: Ladislav Janský, Antonín Kumbera, Ilse Bischofová, August Bischof, 67'
Sousto
R: Jan Němec, B: Jan Němec, Eva Límanová nach Arnošt Lustigs Kurzgeschichte Druhé kolo (Zweite Runde), K: Jiří Šámal D: Ivan Renč, Jan Bartůšek, Oldřich Bláha, 12’