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„Oben in Adlershöhe (…) am schwindelnden Abhang stand eine Mädchengestalt, von der Tiefe heraufgesehen nicht größer als eine Alpenrose, aber doch scharf sich abzeichnend vom lichtblauen Himmel und den leuchtenden Eisspitzen der Ferner. Fest und ruhig stand sie da, wie auch der Höhenwind an ihr riß und zerrte, und schaute nieder schwindellos in die Tiefe.“ So beginnt Wilhelmine von Hillerns 1873 erschienener Roman Die Geier-Wally, der nicht weniger als vier Mal verfilmt wurde und damit zu den populärsten Vorlagen des Heimatfilmgenres gehört. 

Die selten gezeigte Version von 1956 erzählt abermals die Geschichte einer standfesten, leidenschaftlichen und vor allem eigensinnigen Frau namens Wally, die sich in selbstgewählter Einsiedelei gegen Fremdbestimmung und dörflichen Spott zur Wehr setzt. Lediglich einen Geier, den sie gerettet hat, weiß sie an ihrer Seite – was der jungen Frau den Schmähnamen Geierwally einbringt. Das Schwelgen in einer heilen Welt, das dem Heimatfilm häufig allzu vorschnell angelastet wird, sucht man in Čáps Film vergebens. Seine Geierwally ist ein märchenhaft überhöhtes Liebes- und Familienmelodram, das seinem Publikum bei aller Agfacolor-Farbenpracht einige Untiefen und Ambivalenzen zumutet. (ts)

Die Geierwally