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„Bilder aus der Provinz. Äpfel und Spinnweben, eine Pendeluhr und Sonnenuntergänge in blutorangen Farben. Auf dem Dorfsee verschlingt leuchtendes Blattgrün das schwarze Loch in seiner Mitte. Die Regiedebütantin Maria Theresia Wagner wuchs 1961 im niederbayerischen Griesbach auf, was ihr ein Gespür für die wirkliche Atmosphäre in einem ‚Heimatfilm‘ verlieh. Mit impressionistischen Bildern malt sie zunächst ein behäbiges Idyll, um es anschließend in Unruhe zu versetzen.“ (Dieter Deul, Die Welt, 16.3.1990) Die Unruhe beginnt dort, wo der Fremde am Horizont erscheint. Der durch seine bloße Präsenz Unordnung stiftende Auswärtige ist ein Evergreen des klassischen, das Fremde stets skeptisch beäugenden Heimatfilms. Und doch erscheint der Eindringling in Die Nacht des Marders neu interpretiert. Wagnersmit dem Deutschen Filmpreis prämiertes Kinodebüt kreist um die Anziehungskraft, die der Unbekannte auf die langverheiratete Bäuerin Elisabeth ausübt, gespielt von Annamirl Bierbichler, die auch die hassverliebten Heimatdadaismen Herbert Achternbuschs mit ihrem wuchtigen Schauspiel bereicherte. Aus unterdrückter Sehnsucht wird befreite Leidenschaft, wird herannahende Katastrophe. Christliche Moral verträgt sich nicht mit archaischer, ans Freie drängende Natur. (ts)

Die Nacht des Marders