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Video-Einführung in englischer Sprache: Lisa Rivo

Edgar G. Ulmer, Co-Regisseur von Menschen am Sonntag, verlässt Deutschland noch vor der Premiere 1930 und geht wieder nach Amerika, wo er vorher schon gearbeitet hatte. Ab 1933 dreht er eigene Filme in Hollywood, erst für Universal Pictures, später B-Filme für kleinere Studios. Mehrere Jahre inszeniert er in New York auch sogenannte „ethnic films“ mit niedrigem Budget in ukrainischer und jiddischer Sprache. Sie sind Vorläufer dessen, was heute migrantisches Kino heißt.

Entstanden in den Monaten vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unter dem Eindruck der Novemberpogrome in Deutschland 1938, schwelgt Fishke der Krumer nicht mehr in nostalgischen Erinnerungen ans jüdische Schtetl-Leben in Osteuropa, sondern zeichnet ein düsteres Bild von Elend, Ausgrenzung und Aberglauben. Zugleich eine Komödie und ein sozialkritisches Manifest, schildert dieser Klassiker des jiddischen Kinos die Liebesgeschichte von Fishke und Hodel (er ist lahm, sie blind), die von einem besseren Leben in Odessa träumen. In ihrem Schtetl, das von einer Cholera-Epidemie heimgesucht wird, stoßen sie nur auf Ablehnung und Unverständnis. 

Die Inszenierung erinnert an die Bilder Marc Chagalls, ein wenig auch an Das Cabinet des Dr. Caligari (1920). „Der poetische Expressionismus Ulmers, in der statischen Inszenierung und den kompliziert komponierten Bildern in The Light Ahead sehr präsent, bezieht sich einerseits tatsächlich deutlich auf das deutsche Kino der späten zehner und frühen zwanziger Jahre, weist andererseits aber auch voraus auf den amerikanischen Film der vierziger Jahre, auf Hollywoods hohe Zeit des Film noir, dem Ulmer selbst mit einigen Arbeiten (vor allem mit Detour) wesentliche Impulse geben wird“, schreibt sein Biograf Stefan Grissemann in Mann im Schatten. Der Filmemacher Edgar G. Ulmer (Wien 2003). (ps)

Wir zeigen die restaurierte Fassung des National Center for Jewish Film.

Lisa Rivo ist Co-Direktorin des National Center for Jewish Film.

Fishke der Krumer