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Eröffnung der Retrospektive

Polen im Jahr 1905: Nach der gescheiterten Revolution kämpfen die militanten Mitglieder der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS) im Untergrund gegen die russische Okkupation. Auf Institutionen und Repräsentanten der Besatzungsmacht werden Anschläge verübt – ein ungleicher Kampf ohne durchschlagenden Erfolg. Agnieszka Holland greift in ihrem historischen Episodenfilm gleich drei solcher Aktionen auf, verbindet sie zu einem tragischen, sich über mehrere Jahre erstreckenden Reigen aus Missgeschick und Verrat. Eine nicht gezündete Bombe geht dabei unheilvoll von Hand zu Hand. Ungeachtet der Fehlschläge ist die Rache der Machthaber auf die Aktionen unerbittlich. 

Als Gorączka zur Premiere kam, drängten sich unerwartete Analogien zur erstarkenden Solidarność-Bewegung auf. Aus einem historischen Sujet wurde plötzlich ein brisanter Stoff. Zu deutlich waren die Ähnlichkeiten zum brutalen Vorgehen der „Sicherheitskräfte“ gegen die Arbeiter-Aufstände im gegenwärtigen Gdańsk. In jener Stadt, wo im Sommer 1980 auf der „Lenin-Werft“ die Massenproteste ausgebrochen waren, konnte Hollands Film zunächst noch auf einem Festival gezeigt werden, später galt er als unerwünscht. In West-Berlin gewann er 1981 einen Silbernen Bären. (cl)

Gorączka