
„Allversammelte (wiewohl authentische und notwendige) Niederbayern-Klischees von Polka bis Starrsinn, von den derben Figuren zu den roten Backen reihen sich mit humorvollen Kleinigkeiten zu einem stimmigen Sittengemälde, nicht resigniert, nicht anklagend, nicht reinlich. Keiner wird denunziert. Die besten Filme kommentieren nicht, sie erzählen. ‚Herbstmilch‘ erzählt. Ein Heimatfilm, freilich einer ohne Alm und Förster. Hier wird der Ruf eines ganzen Genres kräftig aufpoliert.“ (Alexander Hosch, Stuttgarter Zeitung, 19.1.1989) Mit über zwei Millionen verkauften Kinokarten war Joseph Vilsmaiers in Mundart gedrehter Debütfilm einer der größten Publikumserfolge der ausgehenden westdeutschen Achtzigerjahre. Basierend auf den als autobiografischer Roman veröffentlichten Lebenserinnerungen der Bäuerin Anna Wimschneider entrollt Herbstmilch die (Passions-)Geschichte einer Frau, deren Kindheit nach dem Tod ihrer Mutter schlagartig endet, um während des Zweiten Weltkriegs erneut von Entsagungen geprägt zu sein. Das Leben, so scheint es, ist sauer wie die Herbstmilch, die, nicht zum Verkauf geeignet, von den Bauern selbst verzehrt wird. Der Bayer Vilsmaier schaut diesem Leben vorurteilsfrei zu. Er kennt, was er zeigt. (ts)
Kamil Moll ist Autor, Kultur- und Filmjournalist.
Herbstmilch
- BRD 1989
- 35mm
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R/K: Joseph Vilsmaier, B: Peter F. Steinbach, nach einer Vorlage von Anna Wimschneider, D: Dana Vávrová, Werner Stocker, Claude-Oliver Rudolph, Ilona Mayer, Eva Mattes, Renate Grosser, 111'