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Einmal einen Film drehen, der ganz dem eigenen Geschmack entspricht: Diesem Wunsch des Regisseurs Jürgen Enz entsprang Herbstromanze. Enz war zwar seit den frühen 1970er Jahren gut im Geschäft, inszenierte allerdings vor allem billige Sexfilme. Sein erster und einziger Versuch, in den Mainstreammarkt einzusteigen, erzählt von einem stummen Mädchen (Marion Brandlmaier), das mit ihrer Mutter Christina (Anke Syring) Urlaub macht – auf dem Gut Vormland, das von Freiherr Benno von Caldern (Heimatfilm-Urgestein Rudolf Lenz) betrieben wird und angeblich im Hochsauerland gelegen ist; oder sind die beiden tatsächlich durch ein Wurmloch in eine andere Realitätsebene geschlüpft? 

Das würde jedenfalls erklären, wie aus der Zeit gefallen und geradezu außerirdisch sich Herbstromanze anfühlt, ein Film, der die Heimat-Melodramen vergangener Dekaden evozieren möchte, aber Menschen filmt, als wären sie „große Puppen in einem mechanisch gesteuerten Märchenwald-Guckkasten” (Silvia Szymanski). Beim Kinostart katastrophal gefloppt, wurde Enz’ großes Außenseiterwerk nach einer Aufführung beim Nürnberger Hofbauerkongress vor gut 15 Jahren von einer neuen Generation wagemutiger Cinephiler wiederentdeckt beziehungsweise erstmals wertgeschätzt. (lf)

Herbstromanze