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Einführung: Tilman Schumacher

Eine Glashütte im Bayerischen Wald des 19. Jahrhunderts. Die Öfen stehen still, nachdem der Glasbläser Mühlbeck die Geheimrezeptur des Rubinglases mit ins Grab genommen hat. Wo das Band der Tradition zerschnitten ist, stirbt die Heimat: Während die verzweifelte Suche nach der Formel die vom Edelglas abhängige Dorfgemeinde zusehends in den Wahnsinn treibt, kündigt der Seher Hias (Joseph Bierbichler) – angelehnt an den historischen wie sagenumwobenen „Waldpropheten“ Mühlhiasl – unentwegt den Untergang an. 

Herz aus Glas ist im Vergleich zu anderen Heimatfilmen des Neuen Deutschen Films weniger an einer sozialkritischen Revision des Genres als an dessen naturmystischen, romantischen Traditionen interessiert. Erhabenes Naturschauspiel über den Wolken; blutleere Figuren, die sich durch kerzenlichtbeschienene Interiors schleppen; eine verrätselte Sprache, in der sich das Unbewusste bahnbricht; dazu die entrückten Klänge der Münchner Krautrockband Popol Vuh. Das alles macht Herz aus Glas, der auf einer Romanvorlage des bayerischen Literaten und Film-Outlaws Herbert Achternbusch basiert, zu einer schlafwandlerischen, hypnotischen Filmerfahrung. 

Ins Unterholz entführt uns auch der Vierminüter Der bayerische Wald mit den Augen eines Arschfickers gesehen des Satirekollektivs Gruppe Hau. So hat man den Bayerischen Wald noch nie gesehen. Oder doch? (ts)

Herz aus Glas


BRD 1976
35mm

R: Werner Herzog, B: Herbert Achternbusch, Werner Herzog, K: Jörg Schmidt-Reitwein, D: Josef Bierbichler, Stefan Güttler, Clemens Scheitz, Volker Prechtel, Sonja Skiba, Brunhilde Klöckner, 97‘

Trailershow (1) mit Filmen der Retrospektive "Heim Weh"


BRD 1970er und 1980er Jahre
35mm

ca. 10'

Der bayerische Wald mit den Augen eines Arschfickers gesehen


BRD 1974
Digital SD

R/B: Gruppe Arnold Hau, 4‘

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