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Einführung: Ralph Eue

Die Brieftaube eines jungen Mädchens an der Ostsee wird bei einem Preisflug von einem Sturm in die Tschechoslowakei geweht. Schwer verletzt landet sie auf dem Fensterbrett eines neusachlichen Hochhauses in Prag. Ein einsamer Junge, der nach einem Sportunfall an den Rollstuhl gefesselt ist, schießt zuerst auf den Vogel, pflegt ihn dann aber mithilfe eines Bildhauers gesund und schickt ihn zurück an die Besitzerin.

Mit Holubice, seinem ersten, entlang eines hauchdünnen Handlungsfadens erzählten Spielfilm, erwies sich František Vláčil als Impulsgeber der Tschechoslowakischen Neuen Welle, zu der er jedoch nie gehören wollte. Die virtuosen Schwarzweiß-Bilder von Jan Čuřík und die Musik von Zdeněk Liška prägen den Film ebenso wie der absolut sparsam gesetzte Dialog und ein gründliches Misstrauen gegenüber der Verbindlichkeit traditioneller Dramaturgie.

Der farbige Vorfilm Skleněná oblaka über die unstillbare Sehnsucht eines Jungen zu fliegen, ist der letzte und kurioseste von 26 Filmen, die František Vláčil zwischen 1953 und 1958 für das tschechoslowakische Armeefilmstudio gedreht hat. Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde er 1958 mit einem Sonderpreis in der Kategorie Experimentalfilm ausgezeichnet. (re)

Ralph Eue ist Kurator, Publizist und Übersetzer.

Holubice - The White Dove

Skleněná oblaka