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J'accuse

F 1919, R/B: Abel Gance, D: Romuald Joubé, Maxime Desjardins, Séverin-Mars, Angèle Guys, Marise Dauvray, 164’ · DCP, engl. ZT, mit der Begleitmusik von Robert Israel Der Weltkrieg ist noch im Gange, als im Herbst 1918 die Dreharbeiten von J’accuse beginnen; er ist zu Ende, als der Film im April 1919 in die Kinos kommt. So bildgewaltig wie kein Film zuvor verdammt Abel Gance’ visionäres Großprojekt den Krieg und klagt die Menschen an, die ihn nicht verhindert haben. Beeinflusst von Henri Barbusse’ drastischen Schilderungen der Schrecken des modernen Krieges in Le Feu (1916), erzählt Gance die unglückliche Liebesgeschichte von zwei Männern und einer Frau, die durch den Krieg auseinandergerissen werden. Er erzählt vom Hurrapatriotismus der Bürger, vom Elend der Soldaten, vom Schmerz und vom Wahnsinn und auch von der Vergewaltigung der Frau durch deutsche Invasoren. Voller Pathos beschwört er die Erinnerung an all die Opfer: Doch er idealisiert den Tod nicht, er malt kein Heldengemälde, sondern macht die Toten, die sich vom schlammigen Grund der Schlachtfelder erheben und zu einer Armee von lebenden Leichen formieren, zu Zeugen der Anklage. Mögen die Metaphorik und der Symbolismus des Werkes heute befremdlich wirken, so beeindruckt J’accuse nicht allein durch die Ernsthaftigkeit und die Dringlichkeit seines Appells. Gance erweist sich mit seinem ungeheuren Einfallsreichtum, seiner innovativen Montage, der expressiven Bildsprache und Lichtregie und dem Bemühen um eine realistische Kriegsdarstellung auch als einer der großen Erneuerer der Filmkunst. J’accuse wurde ein Welterfolg, kam hierzulande wegen der Darstellung der Deutschen jedoch nicht in die Kinos. (ps) Filmprogramm im Rahmen der Konferenz „Europäische Erinnerungskulturen“  des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) am 16. und 17. Dezember 2014. Die Veranstaltung wird gefördert vom Auswärtigen Amt. SO 14.12. um 15 Uhr