
Darauf angesprochen, warum er mit einem Horrorfilm im Kino debütiere, erwiderte Jungfilmer Hans W. Geißendörfer: „Weil man die Nase voll hat von Kunst. (…) Das Genre ist deshalb interessant, weil es die beste Möglichkeit bietet, Filme für eine Masse zu machen. Leider ist das bei Jonathan nicht ganz geglückt.“ (Frankfurter Rundschau, 11.4.1970) Tatsächlich ist sein Film für ein massenkompatibles Genrekino zu sonderbar, elegisch und formverliebt. Zeittypische Drastik gibt es in Jonathan nur vereinzelt, lieber schwelgt der Film in Robby Müllers Bildtableaux von prunkvollen Barockschlössern und dunkelromantischen Landstrichen. Jonathan ist auf somnambule Weise gekünstelter ausgefallen als es sein Autor, der später mit Sternsteinhof (1976) nochmals zur Motivwelt des Heimatfilms zurückkehrte, zugeben wollte.
Zweifelsohne weht aber ein frischer Wind durch Geißendörfers Debüt: Um die Terrorherrschaft eines vampirischen Grafen zu beenden, schließt sich ein Vampirologe mit Studenten und Bauern zusammen. Sie möchten diesen samt seiner Schergen nicht wie üblich durchpfählen, sondern ins Meer treiben. Und so wird uns kurzerhand suggeriert, die Region um München grenze an die Nordsee, während der schmissige Score in biedermeierlichen Folkhorror zeitgeistige Klänge integriert. Die zeitgenössische Presse meinte entsprechend im Aufstand der Machtlosen eine Parabel auf die Gegenwart, einen Reflex von ‘68 zu erkennen. (ts)
Jonathan
- BRD 1970
- 35mm
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R/B: Hans W. Geißendörfer, K: Robby Müller, M: Roland Kovač, D: Jürgen Jung, Hans-Dieter Jendreyko, Paul Albert Krumm, Thomas Astan, Hertha von Walther, Oskar von Schab, 97'