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Am Klavier am 17.05.: Ekkehard Wölk

Am Anfang war das Romanische Café. In der Nachbarschaft der schicksten Kinopaläste des Berliner Westens begegnen sich 1929 in diesem Künstlertreffpunkt der Theatermacher Moritz Seeler, der Kameramann Eugen Schüfftan, der Regieassistent Robert Siodmak, der Szenenbildner Edgar G. Ulmer und der Journalist Billy Wilder. Gemeinsam schmieden sie den Plan für einen Film, der sie berühmt machen soll. Ein Film für wenig Geld, ohne Stars und Studiotechnik, stattdessen mit Laiendarsteller*innen, die sich selbst spielen. Eine Kollektivarbeit, leicht, beschwingt, vollkommen neuartig. Die Geschichte, durchbrochen von dokumentarischen Passagen: Vier junge Leute verabreden sich für Sonntag zum Baden am Wannsee, lassen die engen, dunklen Zimmer in der Stadt hinter sich, planschen im Wasser, essen Würstchen, flirten und hören Musik auf dem mitgebrachten Grammophon. Abends fahren sie zusammen zurück in die Stadt und gehen wieder auseinander. Ob sie sich wiedersehen werden? 

Erich Kästner, dessen Kinderbuch Emil und die Detektive kurz zuvor erschienen war und 1931 von Billy Wilder zu einem bezaubernden Berlinfilm umgeschrieben wird, rühmt nach der Premiere einen künstlerischen Neuanfang: „Es kam kein fertiges Meisterwerk zustande, aber ein Film, der das breite Publikum und seinen Großstadt-Sonntag, teils als Handlung mit vier Personen, teils als Reportage mit der anonymen Masse selber, dringend angeht; ein Film, der bereits so viele schöne Bilder und Momente enthält wie ein Dutzend hundertmal teurer Industriefilme nicht.“ (Neue Leipziger Zeitung, 22.2.1930) (ps)

Ekkehard Wölk ist Jazz- und Stummfilmpianist, Arrangeur und Komponist.

Menschen am Sonntag

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