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Ein Debütfilm, der mit schlafwandlerischer Sicherheit auf vieles verweist, was das Œuvre von Rita Azevedo Gomes ausmacht: filigran gebaute Bilder, von Melancholie und Einsamkeit bestimmte Welten, ein Ineinander von Leben und Kunst, Traum- und Wachzustand. 

Ein zurückgezogen lebender Literat berichtet seinem großbürgerlichen Freundeskreis von einem Roman, den er zu schreiben gedenkt. Er soll von einem Mann im Moor handeln, der das höchste Glück dabei empfindet, jeden Tag dieselben Tätigkeiten zu verrichten und die immergleiche Landschaft zu betrachten. Ein andermal erzählt der Romancier von Matrosen, die auf die grenzenlose Weite des Meeres blicken. O Som da Terra a Tremer zeigt uns, manchmal ohne unmittelbaren Anlass, solche Bilder. Gedanken und Realitäten mischen sich, ziehen wie Tagtraumschnipsel über die Leinwand. Inneres und Äußeres sind in Azevedo Gomes’ Kino gleichwertig – mitunter unentwirrbar. Und so nisten sich Matrosen auf Landgang in die Story ein. Sind das noch die Romanfiguren oder laufen sie dem Literaten Alberto, der sich zusehends dem Mann im Moor angleicht, gleich über den Weg? 

O Som da Terra a Tremer ist die erste Zusammenarbeit von Rita Azevedo Gomes mit dem Kameramann Acácio de Almeida. Dessen sanfte Kamerafahrten im Freien und minutiös komponierte Interior-Shots verleihen dem Film eine gespenstische Ruhe, die eine große poetische Kraft besitzt. (ts)

O Som da Terra a Tremer