
Es beginnt mit einem alten, gebrechlich wirkenden Mann, der, auf einem Bett liegend, bei spärlicher, von außen durch ein Fenster eindringender Beleuchtung Notizen studiert. Wir können diesen rätselhaften Filmanfang in Ruhe studieren, bis uns ein harter Schnitt unvermittelt eine andere Szenerie eröffnet: Eine Frau tritt in ein Wohnzimmer ein. Es gehört zu einer modernistischen, in einer ruhigen Gegend gelegenen Villa, in die sich der Exfreund der Frau zurückgezogen hat. Die statisch aus der Distanz aufgenommene Einstellung registriert das Wiedersehen der beiden – wie wir später erfahren, leben Adélia und Paul (Azevedo Gomes‘ Stammdarsteller*innen Rita Durão und Pierre Léon) seit gut einem Jahr nicht mehr zusammen. Die Einstellung strahlt eine Strenge aus, die den Film in Gänze bestimmt. Auch die Art und Weise, wie Adélia und Paul ihre Sätze akzentuieren, wirkt entrückt. Ihr Dialog ist aber wirklichkeitsnah. Das frühere Paar tauscht Nettigkeiten aus, die beidseitige Aufregung lässt es unbeholfen erscheinen.
Dann plötzlich aus dem Off: „Corte!“, „Cut!“. Das Ganze entpuppt sich als Film-im-Film, in dem der Mann aus der ersten Einstellung während der COVID-Pandemie damit beschäftigt ist, Éric Rohmers einziges Bühnenstück zu verfilmen. Das Wundersame an Azevedo Gomes’ gleichnamigen O trio em mi bemol ist nun, dass dieser auch jenseits der Bühnenadaption „bühnenhaft“ daherkommt – und sich dennoch Momente größter Sinnlichkeit und Emotionalität einstellen. (ts)
O trio em mi bemol
- PT 2022
- DCP
- OmeU
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R: Rita Azevedo Gomes, B: Renaud Legrand, Rita Azevedo Gomes, K: Jorge Quintela, D: Pierre Léon, Rita Durão, Olivia Cábez, Adolfo Arrieta, Mauro Soares, Mário Veloso, 126‘