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Einführung: Heleen Gerritsen

„Dieser Film ist keine Kritik am Regime, sondern die Betrachtung menschlichen Verhaltens“, so Věra Chytilová über ihre Gesellschaftssatire, die in der Tschechoslowakei dennoch zwei Jahre lang zurückgehalten und erst 1981 aufgeführt wurde. Stein des Anstoßes war Chytilovás Vorstellung vom sich wandelnden Stadtbild Prags als einer Betonwüste. Denn Mitte der 1970er Jahre begannen groß angelegte Plattenbausiedlungen die Peripherie zu dominieren – trist anzuschauende Ergebnisse des sozialistischen Versprechens vom bezahlbaren Wohnen.

An einem solchen Schauplatz, im Stadtteil Jižní Město im Süden Prags, spielt Chytilovás überdrehte Satire, in der sich Männer und Frauen, Kinder und Alte in ihrem neuen Heim zurechtfinden sollen – was allen mehr schlecht als recht gelingt. Während oben an einem Kran Fertigbauteile schweben und unten noch gebohrt und geschweißt wird, schieben Mütter ihre Kinderwagen durch den Schlamm, treibt ein kleiner Junge groben Unfug, verirren sich Neuankömmlinge zwischen den Blocks und werden Wohnungsbesichtigungen zum absurden Fiasko. Unterstützt von einem gelegentlich ins Atonale driftenden Jazz-Soundtrack fährt Chytilová mit bitterem Humor die Utopie vom kollektiven Wohnglück an die Wand aus Billigbeton. (mp)

Heleen Gerritsen ist Künstlerische Direktorin der Stiftung Deutsche Kinemathek.

Panelstory, aneb jak se rodí sídliště