
Folk-Horror als die dunkle Rückseite des Heimatfilms. Traditionelle, ländliche Lebensformen nicht als wohliges, erstrebenswertes Refugium für von der Moderne überforderte Großstädter, sondern als unheimliche Überbleibsel einer atavistischen, grausamen Epoche der Menschheitsgeschichte. Dass das deutsche Kino so wenig Folk-Horror-Filme hervorgebracht hat, scheint ebenso symptomatisch wie seine Heimatfilmschwemme.
Mindestens einen bemerkenswerten Film gibt es jedoch. Georg Tresslers Sukkubus erzählt, basierend auf der vor allem in der Schweiz verbreiteten Sennentuntschi-Sage, von drei jungen Männern, die sich in einer einsamen Berghütte aus Stroh, Geäst und Lumpen eine Sex-Puppe basteln. Eines Nachts verwandelt sich die Pupe in eine Frau aus Fleisch und Blut – und widersetzt sich hartnäckig den sexuellen Fantasien der Männer. In seiner letzten Regiearbeit kostet Tressler die bizarren Aspekte des Stoffes voll aus – und hat sichtlich Freude daran, mit seinen abstrusen Einfällen die atemberaubenden Alpenkulissen zu kontaminieren. (lf)
Sukkubus
R: Georg Tressler, B: Franz Seitz, K: Rudolf Blaháček, D: Peter Simonischek, Giovanni Früh, Andreas Voss, Pamela Prati, 80'
Trailershow (2) mit Filmen der Retrospektive "Heim Weh"
ca. 10'