Jump directly to the page contents

Als die junge Šarlota in ihr Heimatdorf zurückkehrt, um ein vermeintliches Erbe anzutreten, beginnt für sie eine düstere Reise in die Vergangenheit. Der Wald ihrer Kindheit – wo sie mit ihrer gewalttätigen Mutter und der jüngeren Schwester in einer Hütte lebte – war ein Ort der Grausamkeit und Schauplatz eines folgenschweren Unfalls: Bei der Flucht stieß Šarlota ihre Schwester versehentlich von einem Felsen.

Tereza Nvotová verbindet in ihrem zweiten Spielfilm Topoi des Horrorgenres mit slowakischem Lokalkolorit. Mit Světlonoc inszenierte sie jedoch weniger einen Horror- als vielmehr einen subversiven Heimatfilm, der sich gegen Bigotterie, männliche Gewalt und sexuelle Ausbeutung richtet. Den eigentlichen Schrecken an diesem Ort verbreiten die „Anderen“, die archaische Sitten und Rituale seit jeher mittragen und praktizieren. Je näher Šarlota mithilfe der Außenseiterin Mira dem dunklen Familiengeheimnis rund um angebliche Hexerei kommt, desto deutlicher tritt das unheilvolle Zusammenwirken ihrer eigenen Geschichte mit jener der Dorfgemeinschaft zutage. Nvotová setzt patriarchalen Machtstrukturen weibliche Lust und Naturverbundenheit entgegen: Das Mysteriöse wird zum aufklärerischen Gegenbild einer Misogynie, die sich hinter Tradition und Brauchtum versteckt. (mp)

Linus de Paoli ist Filmemacher und Produzent.

Světlonoc