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Bevor in der Bundesrepublik das kommerzielle Fernsehen eingeführt wurde, existierte zwischen ARD und ZDF eine starke Konkurrenz. Deshalb war es ein Coup des Mainzer Senders, dass er für die Adaption von Walter Kempowskis kurz zuvor erschienenem autobiographischen Roman Eberhard Fechner gewinnen konnte, der bis dahin nur einmal für das ZDF gearbeitet hatte. Das Leben einer Rostocker Reederfamilie in den Jahren 1939 bis 1945 zwischen Anpassung und mehr Widerwillen als Widerstand gegen den Nationalsozialismus wurde von Fechner detailgetreu und dicht der Vorlage folgend erzählt, samt zahlreicher (tragi-)komischer Momente. Dabei deckte sich nicht nur Fechners Interesse, „große“ Geschichte aus der Perspektive „kleiner“ Leute zu zeigen, mit dem Ansatz Kempowskis, dieser war auch nur rund zweieinhalb Jahre jünger als der Filmemacher.

Der Zweiteiler, erstgesendet im Rahmen einer Reihe zum dreißigsten Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa, erhielt viel Zuspruch von Presse wie Publikum, wobei auch die Leistungen der Schauspieler sehr gelobt wurden. Fechners Mittel, die in der Vergangenheit spielenden Sequenzen in Sepia zu zeigen, konnte seine volle Wirkung vor allem deshalb entfalten, weil 1975 Farbfernseher in der BRD schon weitverbreitet waren. (gym)

Tadellöser & Wolff